Interpretationsansätze zu NGE

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Achtung, Interpretation! Interpretation

Der folgende Abschnitt beschreibt nicht allgemein anerkannte Interpretationen und gibt die Meinung des/der Autoren wieder.


Möglicherweise ist Neon Genesis Evangelion vor allem durch das Human Instrumentality Project eine multiple Bezugnahme auf grundlegende existentielle Menschheits- und Einzelmenschzerwürfnisse und deren religiös-philosophische-wissenschaftlich-psychologischen Lösungsversuche:

Judaistisch-christianistische Interpretation[Bearbeiten]

Der im Westen meist genannte Interpretationsansatz ist jener, der behauptet, NGE thematisiere die jüdisch-christliche Verdammnis- und Heilslehre. Oberflächlich spricht auch fast alles dafür:

So sind die Namen der Engel allesamt aus der jüdischen Mythologie entnommen, und auch der Inhalt der mythischen Geschichten erklärt vermeintlich den Zustand des NGE-Universums zur Zeit der Handlung. Lilith ist hier die erste Frau des ersten Menschen Adams, die jedoch beim sexuellen Interkursus nicht unten liegen wollte und so von Gott aus dem Garten Eden vertrieben wurde. Da sie bereits schwanger war, jedoch nicht mehr unter göttlichem Schutze stand, brachte sie Dämonenkinder (Lilim) zur Welt. Adam bekam nun erst Eva an seine Seite. In einer anderen Version hat sich der zuvor schon aus dem Paradies vertriebene Ex-Engel Luzifer Lilith angenommen, von wem sie auch ihre Kinder hat. NGE nun deutet diesen Mythos mit wahrhaft schockierenden Folgen für das Menschenbild um - und zwar dergestalt, dass nicht Adam und Eva der Menschheit Eltern seien, sondern Adam und Lilith, und folgerichtig also die Engel in Wahrheit die "von Gott gewollte" Lebensform und die Menschen lediglich eine dämonisierte Abart dieser, sozusagen bereits im Mutterbauch aus dem Paradies vertrieben, wäre.

Zudem wird der Ursprung der biblischen Eva als "aus einer Rippe Adams erschaffen" dergestalt aufgegriffen, als dass alle Eva-Einheiten - mit Ausnahme Einheit 01 - mit technischen Mitteln aus dem Engel Adam hergestellt wurden. Interessant ist hierbei auch wieder die ursprüngliche Gleichberechtigung der primordialen Wesenheiten Adam und Lilith, während Eva (sprich: die Evangelions) - ganz im biblischen Sinne - eine dem Adam (und seinen Engeln) unterlegene und imperfekte bloße Nachahmung ist.

Das Logo der Organisation NERV enthält ein Feigenblatt, welches in der Genesis klassisch als das gewählte Instrument Adams und Eva zur Verdeckung ihrer Blöße nach dem Sündenfall gilt, nachdem diese auf den Genuss der Frucht der Erkenntnis hin "erkannten, dass sie nackt waren", und ob dessen von großer Scham überkommen wurden. Sinnbildlich verdeckt NERV die unschöne "Scham" der Menschheit unter dem Deckmantel einer nach außen hin seriösen, regierungsgestützten Organisation, während sie im Inneren ihre Machenschaften mit den dunkelsten, freilich nicht der Öffentlichkeit preiszugebenden Geheimnissen der Menschheit treibt und dabei von ethischem Standpunkt aus mehr als fragwürdige Methoden billigt.

Eine weitere offensichtliche Analogie ist die Namensgebung der drei NERV-Supercomputer ("magus" lat. Weiser, Gelehrter, Sterndeuter, Zauberer), die "Weisen aus dem Morgenland" - Kaspar, Melchior und Balthasar - aus der biblischen Weihnachtsgeschichte. Durch Beobachtung von Konstellationen der Himmelskörper am Firmament, so sagte man, sollen diese die Geburt des Messias vorausgesagt haben. Ganz analog dienen die Magi in NGE der Prognose von relevanten Ereignissen bzw. allgemein der Informationsgewinnung. Auch die Erschaffung ebendieser Computer aus den drei Persönlichkeitsaspekten ihrer Kreatorin Naoko Akagi könnte in einem biblischen Kontext mit der Trinität Gottes als Schöpfer in Verbindung gebracht werden - nur dass hier das Ensemble von "Vater, Sohn und Heiligem Geist" gleichsam femininisiert und gewissermaßen säkularisiert wird zu "Mutter, Frau und Wissenschaftlerin".

Dieser Interpretationsansatz schließt die (aus dem "apokryphen", d.h. "offiziell nicht anerkannten" Nikodemusevangelium stammende) Legende um den römischen Legionär Longinus mit ein, der mit seiner Lanze in die Brust des am Kreuze hängenden Jesu gestochen habe, zu prüfen ob dieser schon tot sei. Ob dieses Sakrilegs war Longinus dazu verdammt, bis zum jüngsten Tage auf Erden zu verweilen. Die Lanze aber war die einzige Waffe, die Gott je zu verletzen vermochte und so göttliche Kraft erlangte. Longinus habe nun sein irdisches Dasein dazu verwandt, einen Plan zu ersinnen, wie er denn die Apokalypse künstlich und vorzeitig herbei führen könnte, um endlich Erlösung zu finden. Zur Zeit der Handlung zieht er als Lorenz Kiel die Fäden, auch unter Verwendung der Longinus-Lanze.

Dieser Erklärungsansatz weist jedoch bei genauerem Hinsehen erhebliche Lücken auf:

  1. Die Longinuslanze ist viel zu groß, als dass sie von Menschhenhand benutzt hätte werden können. Auch hätte sie Jesus Christus, der ja die rein anatomischen Ausmaße eines normalen Menschen hatte, schwerlich gelten können.
  2. Vielmehr wurde sie gebraucht, um Lilith außer Gefecht zu setzen, die ihrerseits aber in jesuanischer Manier in einer Höhle gefunden wurde, dann ans Kreuz gehangen und mit der Lanze versehen wurde.
  3. Aufgrund ihrer Physiologie erscheint es als schwerlich vorstellbar, dass Adam und Lilith direkte Vorfahren der Menschen sein könnten.
  4. Eva wurde erst von Menschenhand erschaffen, durchaus als "Ersatzfrau" für Adam. Von einer biblischen Eva als Adams "Zweitfrau" ist in NGE nirgens die Rede.

Dies hätte dann für die NGE-Kosmologie geradezu umstürzlerische Folgen:

  1. Die Stattgefundenheit der biblischen Geschichte im NGE-Kosmos müsste in toto als fragwürdig hingestellt werden.
  2. Dies würde aber wiederum heißen, dass die Longinus-Episode nicht stattgefunden haben und somit weder die Motivation Lorenz Kiels noch die übernatürliche Mächtigkeit der Lanze auf diese Weise erklärt werden könnte.
  3. Wo sich aber die Stattgefundenheit der biblischen Testamente als fraglich heraus stellt, erweist es sich auch als zweifelhaft, ob es sich bei den Engeln, besonders bei Adam und Lilith, überhaupt um die biblischen Charaktere handeln kann.

Eine mögliche darauf basierende Erklärung wäre, dass die Bibel in NGE eine Prophezeihung darstellt. Gemäß des Spruchs "Für Gott sind 1.000 Jahre wie ein Tag und ein Tag wie 1.000 Jahre" wären Jesus und Lilith ein und dieselbe Person, die am Anfang des 3. Jahrtausends, also am Beginn des "Dritten Tags", aus dem Reich des Todes ersteigt und zum Himmel auffährt, nachdem sie am Kreuz hängend mit der Lanze bereits ihres Herzbluts beraubt wurde. Die Femininität Gottes könnte derweil eine Bezugnahme auf einen Ausspruch Luthers sein:

"Das Wort Gottes sollte zu den Menschen sprechen wie eine Mutter zu ihren Kindern..."

Evangelikal-charismatische Interpretation[Bearbeiten]

Übersetzt man "Neon Genesis" nicht mit "Neue Schöpfung", sondern mit "Wiedergeburt", was auch möglich ist, ergeben sich mögliche Bezugnahmen auf den Evangelikalismus, einer radikal-protestantischen Bewegung, die die Bibel als die alleinigen Wahrheit ansieht, wortwörtlich interpretiert und alle anderen Weltanschauungen als "Irrlehren", wenn nicht gar "Teufelswerk" abtut. Besonders die sog. charismatische Untergruppe (altgriech. "charis" = "Gnade") legt dabei Wert auf eine persönliche und willentliche "Lebensübergabe" an Jesus Christus, d. h. man bekennt sich zu ihm als dem alleinigen Herr und dem Heiligen Geist als alleinige Lebenskraft, derweil man sich von aller vergangenen Sündhaftigkeit lossagt. Dieses wird dann als "Wiedergeburt des Menschen in Christus" bezeichnet. Meist sind es schwer traumatisierte Menschen, die auf diese Weise wieder Mut zum Leben finden und verständlicherweise nicht selten in Fanatismus verfallen.

Der Adventismus, eine radikale Untergruppe des Evangelikalismus, glaubt an die baldige Apokalypse, wie sie in der Johannes-Offenbarung geschildert wird, und er glaubt, alle dementsprechenden "Zeichen der Zeit" würden gegenwärtig zu sehen sein. Das gesamte Schicksal der Menschheit sei ein einziger "Kampf" mit diesem besagten "Ziel".

Apokalyptisch-eschatologische Interpretation[Bearbeiten]

In der sog. Johannes-Offenbarung, der letzten Episode des Neuen Testamentes, welche das "Jüngste Gericht" beschreibt, gibt es einige frappierende Ähnlichkeiten zu NGE. Die im Folgenden angeführten Textbelege sind der Einheitsübersetzung entnommen.

[...]

Gnostizistisch-idealistische Interpretation[Bearbeiten]

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit der kosmologischen Präferenzen NGEs und damit des sich daraus ergebenden HIP ist jene nach Art von Gnostizismus und Idealismus. Beide gehen ursprünglich auf Platon zurück, und beide weisen frappierende Parallelen zu den Geschehnissen in NGE auf:

Der Gnostizismus ist eine radikale christlich-theologische Strömung, die behauptet, durch einen Unglücksfall (z.B. den Sündenfall) habe sich das Diesseits vom göttlichen Jenseits abgespalten, und seither fristeten alle darin gefangenen Lebewesen ein Dasein voller Qual und Entbehrung, sich nach nichts mehr denn Erlösung sehnend, denn in jedem Lebewesen sei ein göttlicher Funke gefangen, welcher dem Diesseits fremd sei. Gott sei vollends getrennt und erhaben von seiner Schöpfung und tue sich nur manchmal durch Offenbahrungen kund. Je nach Version wird einem Menschen entweder nach dem Tode individuell die Erlösung zuteil, sofern dass Gott denn an seiner Lebensweise Gefallen gefunden hat, oder aber die gesamte Schöpfung muss des Jüngsten Tages warten, bis dass alle verlorenen Seelen wieder in die göttliche Sphäre eintauchen dürfen. "Gnosis" aus dem Altgriechischen bedeutet "Erkenntnis", hier im Sinne des Erkennens der universalen Tragik unter der Hoffnung der universalen Erlösung.

Idealismus beschrieb ursprünglich nicht die Weltanschauung eines Menschen, der voller Eifer für "höhere Ideale" kämpft. Idealismus hieß bei Platon ursprünglich, dass die Totalität der profanen Existenz mit all ihrer Ungleichmäßigkeit und Mühseligkeit das Abfallprodukt eines erhabenen paradiesischen Urzustands sei, in dem es keinerlei Unvollkommenheit gebe. "Idee" hieß auch nicht "genialer Einfall", sondern "Urbild" (griech. "eidos"), das sich in der göttlichen Sphäre befinde und dessen Schattenwurf im Diesseits als unvollkommenes materielles Ding sichtbar sei, dessen gesamtes Wachsen, Gedeihen und Streben nichts anderes als den verzweifelten Versuch darstelle, sein Urbild wieder zu erreichen. Zum Beispiel wachse ein Baum nur deshalb, weil er die Vollkommenheit seines Urbildes erreichen wolle. Dies werde ihm aber auf tragische Weise misslingen, er werde sterben und verfaulen, und alle diesseitige Müh sei umsonst gewesen. Erst am Ende der Welt, so entwickelte Aristoteles die Überlegung weiter, werde der Endzweck der Natur ("teleos"), die göttliche Vollkommenheit, wieder ereicht.

Der sog. "Deutsche Idealismus" griff diese Weltanschauungen wieder auf und radikalisierte sie ein weiteres mal. Fichte, Schelling und Hegel beschrieben die Weltwerdung als tragische Selbstentfremdung und Schmerzensweg des Weltgeistes (=Gott), woraus das viele Übel in der Welt resultiere. Jede Seele sei ein Splitter dessen. Die Erkenntnis einzelner Menschen (nämlich Philosophen wie sie) sei der Beginn der Wiederselbstversöhnung des Weltgeistes, die mit allen Mitteln voran zu treiben sei. Dabei sei es Gott selber, der in Gestalt der "Weisen" die Endheilung der Welt voran treibe.

Übertragen auf NGE wäre dies passend zu den Geschehnissen von The End of Evangelion, wo einerseits sich niemand gegen die Entwickelung hin zum Third Impact zu stellen vermag, durch noch so große Anstrengung, andererseits die Wahl eines einzelnen Menschen darüber entscheidet, ob das HIP vollendet werden kann oder nicht. Gnostizistisch-idealistisch interpretiert hieße das, Gott, der selbst nach Erlösung trachtet, lenkt die Geschehnisse zum TI hin, ohne Rücksicht auf Verluste. Damit er erlöst wird, muss aber jeder einzelne Teil von ihm mit sich selber und der Welt ins Reine kommen. Solange dies nicht der Fall ist, wird es keine Erlösung geben.

"I NEED YOU. J"[Bearbeiten]

Rei-Lilith will alle Lilim wieder mit sich vereinen. Dabei ist sie aber eigentlich auf die freie willentliche Entscheidung jedes Einzelnen angewiesen. Diese erschleicht sie sich sozusagen dadurch, dass sie ihren jeweiligen Vektor, der ja dann die Seele des gemeinten Lilim ergreifen soll, wie die innigste Vertrauensperson dieses Lilim ausschauen lässt. Dies kann die heimliche Liebe (Affäre?) sein, wie bei Makoto (Fake-Misato) oder Kozo (Fake-Yui) - oder aber wie bei Maya eine gefakte Ritsuko; sofern sie nicht, wie bei Shigeru, der keine solche Sehnsuchtsperson zu haben scheint, ganz einfach direkt zupackt, mit vielsagendem Gesichtsausdruck. Shinji würde später eh stellvertretend für alle die Entscheidung übernehmen...

Als nun Maya an der Reihe ist und sich frägt, ob all das nun wirklich die Antwort zu allem sei, tippt Lilith mit ihrer "Ritsuko-Sockenpuppe" in Mayas Laptop die obige Phrase "I NEED YOU. J" ein. Der Bildschirm des Laptops ist vielsagend in leuchtendem Orange inszeniert. Dann folgt die berühmte Senpai-Umarmung mit der unter Freudentränen zu LCL zerplatzenden Maya...

Rei-Lilith scheint mit diesem (in orange geschriebenen!) "I need you" schlicht signalisieren zu wollen, dass sie, wie etwas weiter oben formuliert, wirklich jeden einzelnen Lilim haben will und haben muss, um ihre Fassung des Human Instrumentality Projects umzusetzen - und gegen Gendo und SEELE durchzusetzen, gemeinsam mit Yui und dem seit Episode 24 umgestimmten Kaworu/Adam, was sich kurz später bei der Konfronation mit Gendo zeigen wird; dennoch müsste Gendos Seele involviert sein, denn auch das SEELE-Kommittee wird samt und sonders miteinbezogen. Dabei kann wohl weniger von einem "I need you so badly!" wie etwa bei einem Liebespaar oder bei Maya Ibuki ausgegangen werden - vielmehr muss, in Anbetracht der "Vorgehensweise" bei Shigeru, von einem "I want you and I'll get you!!" ausgegangen werden.

Das dahinter platzierte "J" ist eigentlich ein altes "Enter"-Zeichen, das auf dem Monitor mehrfach zu sehen ist. Schreibt man aber den japanischen Namen des Human Instrumentality Projects in Romanji, so erhält man "Jinrui Hokan Keikaku" ("人類補完計画"). Es beginnt also mit "J". (Somit wurde mit einem "Enter"-Zeichen (!) ein Wortspiel gemacht.)

"I NEED YOU. J(INRUI)" kann man also übersetzen mit "I need you for my Instrumentality!"


Dies wirft dann auch ein neues Licht auf eine bereits ältere Hypothese - nämlich dass dieses "I need you (J)" auch die unhörbaren Worte von Gendo seien, kurz bevor er Ritsuko niederschießt. In der "Jinrui-Version" nämlich würde es tatsächlich passen:

"I needed you for my Instrumentality!"

Ritsuko wäre somit rein "sachlich" im Unrecht, wenn sie ihn dann als "Lügner" tituliert...

Shinji entscheidet sich bekanntlich gegen das (bzw. diese Art von) Instrumentality, und man sieht die drei Children im abermals "ONE MORE FINAL: I NEED YOU" heißenden Epilog. Während Shinji und Asuka ihre vieldiskutierte Würgeszene haben, schwebt Rei weiter weg über dem blutroten LCL-Ozean und schaut mit finsterer Miene auf die beiden - so als wollte sie vorwurfsvoll sagen:

"I needed you for my Instrumentality..."


(Dies ist auch einer von mehreren Gründen, warum des Öfteren angenommen wird, Rebuild of Evangelion schließe mehr oder weniger "nahtlos" an The End of Evangelion an. Wütend über ihr Scheitern (=persönliche Niederlage?) habe Rei-Lilith einen "Time-Reset" herbeigeführt. Problematisch ist hierbei, dass das Setting des Evangelion-Universums dieses (bisher) eigentlich nicht hergibt. Siehe dazu auch "Gleichsetzung des Mangas mit Rebuild wegen Mari Makinami").

Leibnizianisch-monadologische Interpretation[Bearbeiten]

Analogien fallen auch zur "Monadologie" auf, einer berühmt-berüchtigten philosophischen Abhandlung von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716): Dieser behauptete, die kleinsten materiellen Einheiten, die das Universum aufbauen, seien nicht, wie das "atomos" des Altgriechen Demokrit, materiell, sondern geistig, und begründen so das menschliche Bewusstsein. Die menschliche Seele sei ebenfalls eine solche "Monade" (altgriech. "monas" = Einzelnes), aber generell sei eine jede ein mit Ichbewusstsein ausgestatteter "Blickpunkt Gottes", der "Urmonade", und die Gesamtheit der Monaden sei entsprechend "die Vielfalt des göttlichen Schauens". Gott lässt die Monaden entstehen durch ein "beständiges Ausblitzen". Er lenkt das Geschick der Monaden nach seinem Gutdünken.

Rei-Lilith generiert ebenso unzählige Augen auf ihrem Körper und auch bei der Evaserie, zusätzlich zu den vielen Avataren. Allerdings gelingt es ihr letztlich nicht, alle Lilim "nach ihrem Gutdünken" zu sich zurück zu "lenken" - das Nein einer einzigen "Monade" reicht, um das HIP scheitern zu lassen...

(Leibniz' Bedeutung für die moderne Hochtechnologie darf nicht unterschätzt werden - denn von ihm stammen (im Wesentlichen) das Binärsystem und die Infinitesimalrechnung, auch Unendlichkeitsrechung genannt.)

Buddhistisch-shintoistische Interpretation[Bearbeiten]

Bei genauerer Betrachtung der Ereignisse NGEs fällt auf, dass zu den in Japan üblichen Religionen, namentlich Buddhismus und Shintoismus (die im jap. Alltag nach Bedarf kombiniert werden), viel stärkere Affinitäten bestehen denn zu den abendländisch-monotheistischen. Es drängt sich sogar der Verdacht auf, dass die "verwestlichenden" Elemente nur gleichsam als Tarnung dienen, hinter der auf die japanische Gesellschaft bisweilen kritisch Bezug genommen wird.

Der Shintoismus (altjap. "shin to" etwa "Weg der Götter") füllt durch die Beschreibungen in seiner Mythologie genau die Lücken, die die jüdisch-christlichen Traktate offen lassen. Im Shinto liegt der Ursprung des Universums bei dem Urgötterpaar Izanagi (m) und Izanami (w). Diese standen vor der Zeit auf einer Brücke, die sich über das Urwasser (LCL?) erstreckte. Mit einer Lanze (der Longinus-Lanze?) tauchten sie in die Ursuppe, und durch hängen bleibende Salzklumpen formte sich das erste Eiland (Japan). Die Lanze verblieb auf der Erde. Viele mythische Episoden später waren die Götterkinder geboren und erwachsen, darunter Amaterasu, die Urmutter der Tenno-Dynastie, und Susanoo (m), der von seiner "Funktion" her Luzifer entspricht. Susanoo war ein fürchterlicher Bruder und piesackte seine Schwester ständig, bis diese dem Himmel entfloh und in eine irdische Höhle unterschlupfte. Dadurch verdunkelte sich das Universum und wurde schwarz wie die Nacht. Ihre göttlichen Geschwister kamen eins nach dem anderen herbei, sie heraus zu holen, bis sie endlich der Höhle entkroch, zum Himmel aufstieg und das Universum wieder hell werden ließ.

Auch zum Buddhismus gibt es einige Übereinstimmungen. Dieser postuliert als seine zentrale Lehre die sog. "Vier edlen Wahrheiten":

  1. Leben ist Leiden
  2. Das Leiden kommt von der Gier
  3. Überwindung der Gier bedeutet Überwindung des Leids
  4. Dies geschehe in Form des "Achtfachen Pfads": Wahrhaftiges Verstehen, wh. Absichten, wh. Reden, wh. Verhalten, wh. Lebenserwerb, wh. Bemühung, wh. Achtsamkeit, wh. Meditation.

Die Meditation vollzieht sich durch vier innere Versenkungsstufen (sanskrit: "Dhyana", chin: "Chan", jap. "Zen"), im Laufe derer man sich immer mehr entfernt von den physischen objekthaften Abgegrenzheiten hin zur indifferenten metakosmischen Totalität, dem Nirvana, in dem alles Lebende eins ist.

Jedoch, und dies ist der Bezug zu NGE: Diese Einheit mit dem Ganzen lässt sich nicht durch äußeres Einwirken, wie jenes des HIP, erzwingen, sondern ein jedes Individuum muss höchst eigenständig und innerlich zu dieser Erkenntnis gelangen, wie es im klassischen (umstrittenen) Serienende betont wird.

Auch die Lehre von der Wiedergeburt spielt in NGE hinein, denn dabei geht es nicht einfach darum, dass eines Menschen Seele nach dessen Tode sich einfach einen neuen Embryo sucht. Sondern eine Seele stellt die Gesamtheit der in einem Leben gemachten Erlebnisse, Sehnsüchte und Taten dar, derergemäß ihr entweder eine höhere, niedrigere oder gleichbleibende Reinkarnation widerfährt. Eine Seele ist somit keine untrennbare Einheit. Je mehr ein Wesen die "Vier edlen Wahrheiten" anzunehmen und umzusetzen versteht, desto besser wird sein Karma und desto höher sein nächstes Leben. Daher kommt das Gebot des Buddhismus, zu allen Lebewesen friedlich und sanftmütig zu sein, nicht nur zu den Mitmenschen. Denn ein jedes Tier, und sei es nur ein Mistkäfer, enthält die Seele eines ehemaligen oder zukünftigen Menschen.

In diesem Sinne kann auch Rei Ayanamis Ablehnung, Tierfleisch zu essen, so verstanden werden, dass Lilith, deren Seelenteil in Rei weilt, um der möglichen "Menschlichkeit" einer jeden Tierseele weiß. Auch die Teilbarkeit einer Seele, wie die Liliths, deren anderer Teil in Zerogoki wohnt, stimmt mit der buddhistischen Auffassung überein.

Zuletzt passen einige Verse aus dem "Dhammapada", der Bibel des Buddhismus, fast wie Schlagwörter auf Geschehnisse in NGE:

Kap.1 Vers 1: Unser Leben wird durch unseren Geist geformt, und wir werden, was wir denken. Leiden folgt einem üblen Gedanken, wie die Räder eines Karrens den Ochsen folgen, die ihn ziehen.
1.3: "Er war wütend auf mich, er griff mich an, er besiegte mich, er beraubte mich!" Jene, die bei solchen Gedanken verweilen, werden nie frei sein von Hass.
1.5: Denn Hass kann nie dem Hass ein Ende setzen. Liebe allein vermag es.
1.15: Jene, die selbstsüchtig sind, leiden hier und hiernach. Sie leiden in beiden Welten unter den Folgen ihrer eigenen Handlungen.
5.60: Lang ist die Nacht für jene, die wach liegen. Lang ist der Weg für jene, die erschöpft sind.
5.69: Höchst angenehm sind den Unreifen selbstsüchtige Taten, bis sie die Folgen erleben. Sobald sie die Folgen erleben, leiden sie.
9.119: Der Übeltäter mag ja glücklich sein, solange er nicht erntet, was er gesät hat. Aber sobald es ans Ernten geht, übermannt ihn der Kummer.
12.161: Das von den Selbstsüchtigen getane Böse zermalmt sie, so wie ein Diamant einen harten Schmuckstein bricht.

(Anmenrkung: Im Dhammapada werden die Verse ungeachtet der Kapiteleinteilung durchgezählt)

Kabbalistisch-szientistische Interpretation[Bearbeiten]

Ganz zentral erscheint in NGE die Kabbala und ihre Postulate als Grundpfeiler des HIP und damit der gesamten Handlung NGEs. Sie scheint dabei aber weniger auf Vorstellungen der abrahamitischen Religionen ein zu gehen, als vielmehr auf die zunehmend vergesamtnaturwissenschaftlichenden Welterklärungsherangehensweisen (Szientismus) Bezug zu nehmen.

Die Kabbala, im Mittelalter zentrale Lehre des Judentums, die jedoch im heutigen reformierten jüdischen Glauben als Irrlehre gilt, beinhaltet das sog. "System der Sephiroth", das oft mit der Kabbala gleichgesetzt wird. Dieses System besteht aus 10 Sphären, den Sephiroth, die durch Pfade miteinander verbunden sind und das Wesen der Schöpfung darstellen sollen, den "Plan Gottes". Das Universum mit und in all seinen Aspekten sei gemäß dieser Ordnung aufgebaut, auch und gerade was die zeitliche Vorsehung betrifft.

In NGE heißt es zunächst, die Menschheit habe alle 10 Stufen der Evolution durchlaufen und stehe nun auf der Höchsten, wo sie sich nicht mehr auf natürliche Weise weiter entwickeln könne und zum Aussterben verdammt sei, sofern sie es nicht auf künstlichem Wege, nämlich jenen des HIP, auf eine Art 11. Stufe schaffe und so den '"Horizont zur Ewigkeit" durchbreche.

Möglicherweise wird hier auf den Darwinismus unter Hinzunahme der Entropie abgezielt. Ersterer geht davon aus, dass allein die "angepasstesten" Individuen und Spezien einer Biosphäre überlebten und so immer "kräftigere" Ausformungen hervor brächten. Zweitere ist ein fundamentales kosmisches Grundprinzip in der Modernen Physik, das besagt, geschlossene physikalische Systeme strebten stets einen spannungs-, energie- und ungleichmäßigkeitsärmsten Zustand an, den so genannten Entropie-ärmsten Zustand. Entropie beschreibt nicht nur besagtes Verhalten, sondern auch die Ursache dafür, nämlich die ständige Bewegung(sfähigkeit) der Elementarteilchen (Schwingung der Quanten, daher Strings="Saiten"), die erst interatomare und -molekulare Reaktionen ermöglichte (indem sich die Quanten meist in Form von Elektronen auf den Atomschalen hin- und herbewegen). Dieses Grundprinzip spielt auch in der Biogenetik eine tragende Rolle, lassen sich doch intrazelluläre genetische Prozesse auch damit erst grundlegend erklären.

Eine kombinierte Sicht sähe wie folgt aus: Quanten und Atome fluktuieren willkürlich und chaotisch, stets in Richtung Zerfall, so dass ein Zustandekommen erster organischer Moleküle, die auch noch eigenständig reproduktionsfähig sind, von äußerst geringer Wahrscheinlichkeit ist. Sind aber dann welche entstanden, geht der "Kampf der Arten auf dem Boden der Entropie" los: Durch die beständige entropische Bewegung kommt eine Mannigfaltigkeit an Organismen zustande (Fachterminus "Gendrift" für kleine Veränderungen, "Genshift" für große). Allermeist geht die ständige Genmutation in beliebige, nicht progressive Richtung, so dass entweder gar keine Beeinflussung geschieht, oder die betroffene Linie eingeht. Ganz selten aber kommt eine "stärker" und "anpassungsfähiger" machende Konfiguration zu Stande, die sich wegen ihrer "Stärke" durchsetzt und die "starken" Gene weiter gibt, derweil die "schwachen" Gene absterben. Durch diese "Natürliche Selektion" geht es immer weiter und immer "höher". Die Entropie verhindert quasi durch sich selbst ihre eigene Zerfallstendenz, sie wird sich selber zur Antithesis, wodurch Evolution zu Stande kommt. Dies funktioniert (rein theoretisch) jedoch nur solange, wie auch eine Selektion stattfindet und die "schwachen" Gene eliminiert werden. Manche heutige Forscher fürchten nun tatsächlich, dass durch die Zivilisation und ihre Technologie der Mensch so gut beschützt werde, dass diese Selektion nicht mehr stattfinde. Dadurch blieben sämtliche "schwachen" Gene erhalten, die gemäß dem Entropieprinzip gegenüber den "Starken" in der Überzahl seien. Dadurch komme es allmählich zu einer Degeneration. ("Beweise" sehen diese Forscher z.B. in der Rückbildung von Blinddarm und Weisheitszähnen.)

Allerdings ist seit geraumer Zeit auch bekannt und anerkannt, dass Geschehnisse in der Umwelt mitunter recht zeitnah in den Genpol "eingebaut" werden, entgegen der beschriebenen "Selektion", war und ist es doch für eine jede Spezies zum Zweck des Überlebens unvermeidlich, sich auf neue - auch und gerade plötzliche - Umstände schnellstmöglich einstellen zu können. Erlebt zum Beispiel eine Generation eine Hungerkatastrophe, so kann es passieren, dass überproportional viele Menschen in den unmittelbar auf sie gefolgten Generationen zum Übergewicht neigen. Die Gene der hungernden Generation haben sich auf die knappe Nahrung angepasst und diese sozusagen effizienter zu verwerten gelernt; und dieser neue Genpol wurde weitergereicht - mit dem Ergebnis, dass die Nahrung wegen der wieder (und dank verstärkter Industrialisierung nach den Weltkriegen, die nicht nur Hunger ausgelöst hatten, stellenweise überproportional) gewachsenen Reichlichkeit nun quasi zu gut aufgenommen wird.

Möglicherweise spielt die "HIP-Kabbala" in NGE auf diese Gedankenspiele an: Nämlich dass die Menschheit durch ihre "Frucht der Erkenntnis" die natürliche Evolution gestoppt hat und nun entweder biologisch degeneriert oder aber mittels Seelenverschmwelzung im Rahmen des HIP ihre ohnehin minderwertige Physis abwirft, um den Horizont zur Ewigkeit zu überschreiten, hinter dem biologisches physisches Leid endgültig aufhört.

Es zeigt sich hier auch und vor allem eine Verbindung zum psychotraumatologischen Interpretationsversuch; denn viele Umweltfaktoren bringen die Menschen selbst hervor - ganz besonders jenen, der mit dem Begriff "Psychodynamik" belegt ist...

(Siehe auch Sandalphon und Episode 10 bzw. Iruel und Episode 13)

als Branverbindung[Bearbeiten]

Aber noch eine weitere Theorie der modernen Wissenschaft könnte mit der Kabbala aufgegriffen worden sein, nämlich Steven Hawkings Idee der "Branwelten". Diese geht davon aus, dass unser Universum nur die 4-dimensionale Oberfläche (3 Raum- und eine Zeitdimension) auf einem höherdimensionalen Multiversum sei. Quantenmechanische Fluktuationen, die uns unlogisch und rätselhaft erscheinen, hätten in den "Tiefen des Multiversums" ihren Ursprung. Da hinein spielt auch die Theorie, dass ein jedes reelles "diesseitiges" Teilchen einen "virtuellen" Gegenpart außerhalb des hiesigen Gültigkeitsbereiches unserer physikalischen Naturgesetze habe.

Interpretiert man nun die Kabbala dergestalt, dass ihre 10 Sphären die persönliche Emanation (metaphysisch-schöpferische Abstrahlung, eine bis in platonische Zeiten reichende Vorstellung) Gottes seien, ergibt sich für NGE folgendes Bild:

Gott hat die Welt erschaffen, indem er emanierte. Der Strahlungskörper ist das Multiversum. Das "Diesseits" ist der Ort der Handlung in NGE und Oberfläche des Strahlungskörpers. Die Engel kommen deshalb urplötzlich aus dem Meer oder dem Weltraum, weil sie in Wahrheit aus einem Dirac-See entsteigen, der die Verbindung zum "tieferen Multiversum" darstellt, quasi ein Riss in der Oberfläche. Ihre materielle Gestalt erhalten sie wohl erst beim Eintauchen in das Diesseits. Ihr S2-Organ verfügt deshalb über infinite Energiereserven, weil es diese aus den Tiefen des Multiversums zieht, aus Gott selber. Deshalb entsteht bei der Explosion eines Organs auch mitunter ein Dirac-See, so wie es bei Yongoki (Eva 04) geschieht. Damit lässt sich dann auch erklären, warum die Ryousanki (Eva-Serie 05-13) in der Lage sind, den Third Impact aus zu lösen, indem sie sich in Form der 10 Kabbalasphären anordnen, danach ihre S2-Organe aufstoßen und so die göttliche Energie freisetzen.

Dieser Interpretationsansatz mit Gott als "unmittelbarer Ursache" für das "Erscheinen" der Engel geht also einher mit dem gnostizisch-idealistischen, dem buddhistisch-shintoistischen und der Marduk-Legende (dargelegt im Artikel zum Marduk-Institut) und stellt die Dinge sogar noch radikaler da. Allerdings bleibt immer noch die Frage offen, warum um alles in der Welt Gott mit sich selbt ein solch makaberes Schauspiel anstellt.

Traumatologisch-existentialistische Interpretation[Bearbeiten]

Grundlegender Motor für Handlung und Geschehnisse NGEs sind die psychotraumatologischen Zerwürfnisse einer jeden Figur, sei es, dass via Flashback die schlimmen Kindheitserlebnisse direkt gezeigt werden, sei es, dass während der aktuellen Handlung nur die für sich genommen schon eindrucksvollen Folgesymptome gezeigt werden, derweil der Rezipient die dahinter stehenden Traumata allenfalls zu erahnen vermag.

NGE aber belässt es nicht bei der Beleuchtung der Einzelschicksale und deren Verwobenheit zwischen den einzelnen Charakteren, sondern kosmologisiert und existentialisiert das Phänomen Trauma gleichsam.

Shinji zum Beispiel hat seine defätistische Weltsicht auf Grund des Erlebnisses des Todes seiner Mutter, des Verstoßen- und Ausgenutztwerdens durch seinen Vater. Wie alle Hauptcharaktere hat er Pein und Peiniger als Feindbilder in sich, das heißt die Gesamtheit der Trauer, Wut, Verzweifelung, Hilflosigkeit und Rachsucht (Fachterminus: "Introjekt"), die seine Psyche, ganz im Sinne von SEELE und Gendo, während der Kämpfe gegen die Engel auf diese projiziert, dadurch den Kampf vermeintlich effizienter werden lässt und wohl auch eine zu hohe Synchronrate mit dem Eva verhindert, wie das Absacken der Synchronrate Asukas nach dem Mindrape, also dem Hochholen ihrer Traumata, durch Arael nahelegt. Überhaupt ist Asuka das beste Beispiel für Introjektion während der Kämpfe.

Jedoch manifestiert sich bei genauerem Hinsehen eine Teufelsspirale, die eindeutig den psychotraumatologischen Fachterminus der "Transgenerationalen Traumatisierung" aufgreift:

  • Gendo, der maßgeblichen Anteil an den psychischen Gebrechen seines Sohnes hat, ist selbst von Anbeginn ein psychisches Wrack. So besteht sein erstes Zusammentreffen mit Kohzo Fuyuzuki, seinem späteren Subkommandanten, darin, dass dieser ihn aus der Ausnüchterungszelle heraus holt, nach dem er betrunken in eine Schlägerei verwickelt worden war. Seine Anhänglichkeit und emotionale Abhängigkeit von Yui legt den Verdacht nahe, dass er in ihr eine Art Ersatzmutter gesehen hat. "Ich bin es gewohnt anzuecken!" ist denn sein berühmter Ausspruch bei der Haftentlassung.
  • Naoko Akagis resolutes Verhalten bei gleichzeitiger Abhängigkeit von männlicher Liebe lässt auch darauf schließen, dass sie die Zuneigung, die ihr eins als Kind versagt blieb, nach zu holen trachtet. Da sie es nie gelernt hat, vermochte sie auch gegenüber ihrer Tochter Ritsuko nicht zuneigungsvoll zu sein, worunter auch diese psychischen Schaden genommen hat.
  • Kajis Aufdringlichkeit gegenüber weiblicher Zärtlichkeit legt ebenfalls den Verdacht einer Vernachlässigung in der Kindheit nahe, der im Manga bestätigt wird.
  • Das Verhalten von Misatos Vater, der sich kaum um seine Familie gekümmert hat, sondern nur um die Metabiologie, passt gut in die Symptomatik eines Workaholics. Workaholismus basiert wie alle anderen Süchte stets auf seelische Probleme. Durch übertriebenes Arbeitspensum lenkt sich der Betroffene von seinen inneren Schmerzen ab und bekommt das Gefühl, etwas wert zu sein.

Dies alles bedeutet aber nun, dass die Peiniger und Täter in NGE nur deshalb zu solchen geworden sind, weil sie selbst einmal die Gepeinigten und Opfer waren. Denn Schmerz verdunkelt die Seele. Eine dunkle Seele verdunkelt die Weltsicht. Eine dunkle Weltsicht verdunkelt die Handlungsweise. Eine dunkle Handlungsweise verdunkelt die Welt. Eine dunkle Welt erzeugt dunklen Scherz etc.p.p. Daraus ergibt sich eine Endloskette "nach hinten", ein sog. Infiniter Regress, der die Frage aufkommen lässt, wo denn das "Urtrauma" zu finden sein könnte.

NGE nun scheint die Erbsünde im Sinne eines "Erbtraumas" umzudeuten, das sich in Form einer Teufelsspirale immer weiter verstärkt hat bis hin zum Third Impact als Höhepunkt.

Das HIP radikalisiert die Problematik noch, denn es beabsichtigt ja, das sich auf besagte Weise fortpflanzende pananthropische Trauma, das genährt werde durch die Interaktion der Individuen, endgültig zu beseitigen, indem es die Pluralität der Menschheit endgültig beseitigt.

Bei genauem Hinsehen wird aber deutlich: Die ganzen diesbezüglichen Unternehmungen haben aber erst die Traumata der Hauptcharaktere ausgelöst:

  • Yui starb wegen der Arbeiten an Shogoki, also wegen des HIP
  • Damit wurden Gendo und Shinji traumatisiert wegen des HIP
  • Dr. Katsuragi vernachlässigte seine Familie wegen des HIP
  • Kyoko Zeppelin Soryu starb wegen der Arbeiten an Nigoki, also wegen des HIP
  • Dadurch wurde Asuka traumatisiert, wegen des HIP

Das nun aber würde, existentialistisch ausgedrückt, schlussendlich bedeuten: Dadurch, dass der Mensch den Schmerz mit Gewalt beseitigen will, ruft er ihn erst hervor, um sich dann genau durch diesen Schmerz in der Richtigkeit seiner Handlungsweise bestätigt zu sehen etc.p.p. Nur dann, wie Yui mehrmals betont und wie im umstrittenen Serienende betont wird, wenn der Mensch seine verbittere Weltsicht abzulegen vermag, denn nur bei sich selber kann er anfangen, vermag er auch die Teufelsspirale zu durchbrechen.

Überdies ist die Aufhellung der Welt- und Selbstsicht trotz oder gerade wegen der eigenen schlimmen Erlebnisse zu deren Entmachtung die Quintessenz einer jeden wirksamen Psychotherapie. Die Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse stellt sich dabei oft als regelrechter Kampf dar, der nicht immer "siegreich" ausgeht. Dies u. a. symbolisieren die Kämpfe der Children gegen die Engel.

Der traumatologische Interpretationsansatz steht in besonders starker Referenz zu den anderen Ansätzen - auch und gerade dem szientistischen. Denn häufig ist vom komplementären Antagonismus "genetische Prädisposition" nebst "psychosoziale Kofaktoren" die Rede. Wenn sich aber - wie im Szientismus-Abschnitt beschrieben - äußere Einflüsse mitunter schnell in die Gene "einarbeiten", dann ist die Entstehung einer "doppelten transgenerationalen Traumatisierung" naheliegend. Das Kind traumatisierter Eltern erbt die Gene und erlebt dann die "passende" psychodynamische Prägung. Als Anschauungsbeispiel könnten die Familien Ikari und Akagi gelten.

Animehistorische Weiterentwicklung der Trauma-Darstellung NGEs[Bearbeiten]

Haruhi Suzumiya[Bearbeiten]

Siehe entsprechenden Abschnitt bei Asuka Soryu.

Madoka Magika[Bearbeiten]

Ursprünglich stammt die Hypothese von der "Trauma-Inkubation" (lat. "incubare" = u.a. "(aus)brüten") von Sigmund Freud und hatte andere Inhalte. Sie wird zur Zeit nur noch in der klassischen Psychoanalyse verwendet.

Animehistorisch allerdings wurde auch NGEs Darstellung des Psychotraumas weiterentwickelt und zugleich auf den Kopf gestellt. In "Madoka Magica" (2011+) wird es gleichsam in Gestalt einer anatomisch entstellten weißen Katze mit roten Augen (=Lilith in EoE!!) personifiziert. Stark vereinfacht gesagt agiert diese Katze wie ein Parasit und verspricht jungen traumatisierten Mädchen ein besseres Leben, indem es ihnen Magie verschafft. Es nennt diese Mädchen "Magical Girls". Diese haben nun einen sog. "Soul Gem", ein amulettgroßes Kleinod in welchem sich ihre Magie befindet (zusammen mit ihrer Seele, das wissen sie aber meist nicht), und fortan haben sie gegen "Hexen" zu kämpfen, riesige magische Ungeheuer. Da ihnen dieses Leben aber mehr Schwierigkeiten wie Vorteile bringt und die alten Probleme noch verschärft, verzweifeln die Magical Girls immer mehr. Der Soul Gem wird schwärzer und schwärzer. Reinigen lässt er sich nur mit einem raren sog. "Grief Seed", ebenso ein Kleinod, nur seinerseits rabenschwarz. Auf dem Höhepunkt ihrer Gram schließlich mutieren sie selber zu diesen Hexen, und der Soul Gem wird zum Grief Seed. Alle Hexen waren einst Magical Girls, ohne Ausnahme, es ist dies die Intention dieser Katze. Die Grief Seeds sind auch ihre Nahrung, sie hat keine andere, wie am Ende des Kinofilms "Madoka Movie 3 - The Rebellion Story" klar wird.

Dies hat nun zur Folge, dass ein tödlicher Kampf um diese Grief Seeds entsteht. Oft finden Magical Girls nicht genügend Seeds bei Zeit; meist aber verlieren sie ihren Lebensmut vollkommen und lassen ihren Gem absichtlich schwarz werden - eine Art schleichender Suizid. Ist eine Freundschaft zwischen Magical Girls entstanden, und ein Girl ist mutiert, versuchen die anderen oft sie zu retten und sie (wörtlich!) zum Herauskommen aus dem entstellten Hexenkörper, ihrem Gefängnis, zu bewegen, was freilich misslingen wird (bis auf ein einziges Mal in "Rebellion").

Hier wurde also der Begriff "Psychotrauma" personifiziert und der Begriff "transgenerationale Traumatisierung" zur Hyperbel gemacht. Das "Psychotrauma" agiert wie ein Parasit und setzt sich in jungen Mädchen fest. Ihre Verzweiflung ist seine Nahrung, es wächst und gedeiht dadurch, es "inkubiert" und pflanzt sich auf diese Weise fort.

Entsprechend wurde diese Figur auch "Incubator" genannt, mit der (von ihm selber fingierten) Kurzform "Kyubey".

In der dortigen Episode 11 - inszeniert als eine "andere Art" von Arael und "seiner" Episode - wird es sogar so weit getrieben, dass der Incubator - der eine Vielzahl solcher "Puppenkatzen" generieren kann, ähnlich Rei-Lilith und ihrer mannigfachen Rei-Avatare - behauptet, er hätte die Menschheit "begleitet" seit der Steinzeit bis in die hochtechnologische Neuzeit; als wollte er suggerieren, dass die fortgesetzte "Rekrutierung" von Magical Girls genau dies erst ermöglicht habe. Dadurch liegt auch hier wiederum der Versuch vor, eine Kernthese NGEs noch zu radikalisieren: Traumatisierung treibt in die Verzweiflung, man versucht die innere Verzweiflung durch äußere Höchstleistung auszugleichen (wie Asuka, Misato und die "Akagis"!) - und erst dadurch entstünden technische und künstlerische Errungendschaften, aus denen der wissenschaftliche und kulturelle Fortschritt bestehe. In Madoka scheint dies aus Sicht des Incubators nur ein "Nebeneffekt" zu sein (was es dort in Wahrheit nicht ist), den er nichtsdestoweniger aufgreift als "Argument" für die "Richtigkeit" seiner Taten. In NGE indessen ist es wahrscheinlich Absicht: SEELE "muss" die Technologie weit und hoch genug treiben, um irgendwann "ausreichend leistungsstarke" Evangelions zu bekommen...

Viele Manga- und Animewerke nach NGE (mittlerweile auch manch westliches Werk), ganz besonders aber "Madoka", haben mannigfache und/oder absichtlich auffällige Anleihen bei NGE genommen.

(Siehe auch Kyoko Sakura)

Historistisch-zeitgeschehenkritische Interpretation[Bearbeiten]

Der Handlungsverlauf NGEs und der Ablauf des HIPs weisen bei genauerem Hinsehen deutliche Bezugnahmen zu der japanischen Geschichte, der Weltgeschichte und der Gegenwart der Jahrtausendwende hin.

In den allermeisten gängigen Interpretationsansätzen unstrittig ist die Annahme, dass NGE und die Impakte des HIP die Globale Erwärmung mit ihren möglichen verheerenden Folgen für den gesamten Globus thematisieren. Denn analog zu den Geschehnissen des Second Impact findet die folgenschwerste Erwärmung tatsächlich an den Polkappen statt (das mit Abstand opulenteste Ozonloch situiert sich über der Antarktis), deren Schmelzwasser die Meeresspiegel gefährlich hoch ansteigen lassen und damit die klimatischen Gegebenheiten nachhaltig beeinflussen. Die Atmosphäre wird als gesamtes heißer, wodurch auch die Weltgewässer wärmer werden und stärker verdunsten. Dadurch wiederum wird die Atmosphäre feuchter. Eine zugleich heißere und feuchtere Atmosphäre bewirkt einen extremeren Wechsel zwischen Dürre und Überschwemmung. Kriege um sauberes Wasser und bewohnbares Land sind da vorprogrammiert, warnen inzwischen ernst zu nehmende Wissenschaftler. Die UN geht davon aus, dass 40% der Weltbevölkerung von den künftigen Klimairritationen betroffen sein werden. Dies kommt der NGE-Prognose von 50% erschreckend nahe.

Dieser globale Ansatz wird jedoch vermischt mit der individuellen Geschichte Japans. Denn Gendo sagt über den SI und seine Folgen:

"Und dennoch wurde die Welt gereinigt."

Dies legt eine Interpretation im Sinne der beiden Atombombeneinschläge auf Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg nahe. Nach dem Abwurf der beiden Bombem verlangten die USA die bedingungslose Kapitulation Japans und drohten bei Verweigerung mit der totalen Vernichtung der japanischen Kultur (quasi der "dritte Bombeneinschlag"). Da die Japaner letztlich doch noch einlenkten, wurde das Land unter US-amerikanischem Governat vom "Faschismus gereinigt" - aus Sicht der USA. Für die Japaner selber ist dies jedoch bis heute ein traumatisches Erlebnis, und mannigfach wird in Werken der Populärkultur und damit vor allem Manga und Anime Bezug genommen (z. B. Godzilla, Astro Boy oder eben NGE)

Dieser Ansatz wiederum lässt sich global anwenden. Albert Einstein antwortete auf die Frage, mit welchen Waffen denn ein Dritter Weltkrieg ausgetragen würde, wie folgt:

"Das weiß ich nicht. Aber die Waffen des Vierten Weltkrieges werden Stöcke und Steinschleudern sein..."

Somit spricht NGE durch das HIP noch eine zweite Warnung aus: Nämlich dass der dritte Einschlag eines Weltkrieges die Menschhheit dauerhaft ruinieren würde und die beiden bereits geschehenen Einschläge für uns alle eine Reinigung von kriegerischen Absichten sein sollten.

Daoistisch-kombinatorische Interpretation[Bearbeiten]

Die älteste, universalste und für die ostasiatischen Kulturen wohl fundamentalste Philosophie und Kosmologie ist der Daoismus, und auch bei NGE bietet diese Weltanschauung die Möglichkeit einer Interpretation, die die bisherigen zu vereinen vermag.

Der Ursprung des Seins ist laut altklassischer daoistischer Lehrmeinung das Wu Chi, veranschaulicht als geschlossener leerer Kreis. Dieser sei in ständiger Bewegung und habe sich daher aus sich selber heraus zum Tai Chi, jenem berühmten Kreisbild aus Yin und Yang gewandelt.

Yin und Yang können, je nach Situation, die Bedeutungen haben Schatten und Licht, Erde und Himmel, weich und hart, weiblich und männlich, empfangend und schöpferisch, Unheil und Heil. Dies geschieht jedoch nie in Form von Schwarz-Weiß-Malerei, sondern ein jedes Yin hat ein Stückchen Yang und umgekehrt, und stets wandelt sich eine Wirkung immer wieder in ihr Gegenteil und wieder zurück. Ebenso verhält es sich mit gut und böse: Es gibt nichts total Schlechtes und es gibt nichts total Gutes. Alles ist abhängig vom Zusammenhang, der Sichtweise und der Situation.

Der Wandel zwischen Yin und Yang vollzieht sich zyklisch, wobei das Anwachsen des einen den Umschwung zum anderen hin einleitet. Ein Tagesablauf ist ein häufig gemachtes Beispiel: Tag = Yang = Aktivität, die Sonne steigt immer höher, d. h. das Yang wird immer älter, und irgendwann geht sie unter und macht der Nacht und dem Mond platz, d. h. das alte Yang (ver-)wandelt sich in junges Yin = Nacht = Passivität. Jedoch ist selbst dieser Zusammenhang dual: Die Sonne = Yang strahlt auf die Erde, diese ist also in passiver, in Yin-Position, verwandelt diese aber sogleich in die Tagesaktivität, also Yang. Abends und nachts ist die Sonne weg, und der Mond repräsentiert nun die Yang-Position, die die Erde und alle Lebewesen hat, auch der Mensch. Ein gesunder Mensch ist innerlich leer, was im Daoismus die Bedeutung von innerlich ausgeglichen hat, deshalb ist das gesunde Yang, die gesunde Nachtaktivität der Schlaf. Ist er nachts unruhig und umtriebig, heißt das für die traditionelle chinesische Medizin, dass er innerlich unausgeglichen ist und daher ungesundes Yang, also ungesunde Aktivität unternimmt.

Yin und Yang repräsentieren Erde und Himmel auch in philosophischer Weise, also im Sinne von Diesseits und Jenseits bzw. Schöpfung und Gott. Denn die Anziehung zwischen Himmel und Erde lässt alle Flora und Fauna hervor kommen, mit dem Menschen als demjenigen Wesen an der Spitze, dass sich eben über diesen Ursprung des Seins Gedanken zu machen vermag, in dessen Gestalt sich Himmel und Erde also am nahesten berühren. Somit sind alles Leben und überhaupt alles Existierende nur Ver-wandlungen des Wu Chi (entsprechend nennt sich auch das älteste daoistische Werk „Buch der Wandlungen“, chin. je nach Umschrift „I Ging“, „I Ching“ oder „Yijing“). Dies ist das Grundprinzip des Universums, das Dao (chin. wörtl. „Weg“), also die beständige Be-weg-ung von allem.

Diese Philosophie kann auch auf NGE angewendet werden. Es lassen sich die bisherigen Interpretationsansätze verbinden:

Es gibt ein Diesseits an sich und an Jenseits an sich. Die Lebewesen des Diesseits sind Pflanzen und Tiere, die des Jenseits sind Gott und die Engel. Beide Sphären sind nicht streng voneinander getrennt, sondern gehen fließend ineinander über, ja, stehen in beständiger Interaktion zueinander, was an den vielen Religionen deutlich wird, die allesamt den „Jenseitsrepräsentanten“ andere Begriffe verleihen, jene Monsterwesen, die als Engel in NGE ihr Unwesen treiben und die, wie bereits demonstriert, nicht nur mit jüdisch-christlicher Terminologie beschrieben werden können.

Auch die moderne Physik beschreibt auf ihre Weise das Jenseits, definiert sie doch die kleinsten Quantenmaßeinheiten, die sog. Planckeinheiten, als Grenze der Gültigkeit der physikalischen Naturgesetze, unterhalb derer keine Fluktuationen statt fänden, die physikalisch relevant wären, womit die „meta-physikalische“ Sphäre indirekt definiert ist. NGE macht sich dies zunutze, indem es die S²-Organe ihre unendliche Energie eben aus diesen Gefilden ziehen und sogar die Engel von dort auftauchen lässt. Nicht zuletzt wird der Third Impact eingeleitet, weil quasi das Tor zu diesem Jenseits mittels künstlicher Engel in Gestalt der Evaserie und deren S²-Organen geöffnet wird.

Gott, da stimmt der daoistische Ansatz mit dem gnostizistischen überein, sehnt sich deshalb so sehr nach einer Wiedervereinigung mit den Menschen, weil er im Ursprung eins mit ihnen ist und diese Einheit wieder herstellen will. Jedoch, und das ist der wesentliche Unterschied, hat er nicht die Kontrolle über jeden einzelnen Menschen, so dass er die Weltgeschichte hin zum TI bewusst lenken könnte. Die Menschheit handelt aus sich selbst heraus dergestalt, dass die Technologie immer mächtiger wird und irgendwann in den Himmel stößt. Auch Gott kann am Schluss nicht anders, als sich, sobald er entfesselt ist, von der Entwicklung hin zur Vollendung mitziehen zu lassen: Die Rückkehr zum Wu Chi (Daoismus) oder Nirvana (Buddhismus) oder ins Paradies (Christentum) oder zur Supersymmetrie (Physik), wie sie seit Werner von Heisenberg als vor dem Urknall geherrscht habend angenommen wird, und wie sie, sobald dass alle Materie zerfallen ist, wegen der grundlegenden quantenmechanischen Fluktuation zwangsläufig wieder zu einem Symmetriebruch führen muss, also eine neue Schöpfung (altgriech. "neon genesis“), bei dem sich das Wu Chi wieder in ein Tai Chi verwandelt. Die Totalität der Existenz, einschließlich Gott, ist diesem Gesetz des ständigen Wandels bedingungslos unterworfen. Gott erscheint hier nicht als der allmächtige Schöpfer, sondern er wurde aus dem Wu Chi geboren, während der Rest zur Urflut wurde. Dies steht wiederum in Korrespondenz zum Alten Testament einerseits, wo es in Genesis 1.1 heißt „Am Anfang war die Welt wüst und wirr. Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser…“, und zum Shintoismus andererseits, wo Izanagi und Izanami mit ihrer göttlichen Lanze in die Urflut stachen und so die Schöpfung initiierten. In beiden Fällen sind die Welterschaffer zu Beginn nicht alleine, sondern die Urflut ist mit dabei, steht dem/den Schöpfer(n) gegenüber und kommt doch aus demselben Ursprung, so wie bei Yin und Yang, mit dem einzigen Unterschied, dass die Schöpfung nicht bewusst von Göttern eingeleitet wurde, sondern im Gegenteil die Götter quasi von der Schöpfung überrumpelt wurden und nun gar nicht anders können als alles daran setzen, sie rückgängig zu machen, während „gegenüber“ die Lebewesen in der profanen Welt dasselbe auf ihre Art und mit ihren Mitteln zu erreichen trachten.

Aus diesem Blickwinkel nun macht es gar keinen so großen Unterschied mehr, ob in EoE das HIP nun „richtig“ zustande käme oder, wie es ja passiert, nicht. Denn würde sich Rei-Lilith mit allen Menschen vereinen, würde wohl zwangsläufig wieder eine neue Schöpfung angehen und alles begänne von vorn, denn Gott verlöre wohl, wie alle anderen Menschen, seine Individualität, damit seinen freien Willen und damit die Möglichkeit, sich bewusst gegen das Gesetz des ständigen Wandels zu stellen, wodurch dieser wieder zwangsläufig einträte. Da nun die Menschheit „nur“ zu LCL zusammen geschmolzen ist, hat laut Yui Ikari jeder einzelne noch den freien Willen, zu seiner individuellen Gestalt zurück zu kehren. Es wird also lediglich ein kleinerer Kreis geschlossen.

Die Lehrmeinung der daoistischen Yin-Yang-Lehre, dass es nichts vollkommen Schlechtes und nichts vollkommen Gutes gibt, sondern das jedes Gute etwas Übles und umgekehrt innehat, korrespondiert mit dem traumatologische Interpretationsansatz dergestalt, als sich dort heraus gestellt hat, dass ein jeder Schurke dieses nur deshalb ist, weil auch er traumatisiert wurde, sich sein anfänglich gutes Herz also verfinstert hat, was ja flächendeckend bei den Hauptcharakteren so anzutreffen ist. Auch lehrt der Daoismus in Korrespondenz zur Traumatologie, dass alle Verhaltensweisen, die „Maß und Mitte“ verlassen, darauf zurück zu führen sind, dass der Verursacher wohl durch irgendetwas aus seiner Mitte, also seiner seelischen Ausgeglichenheit heraus gekommen ist. Er wurde traumatisiert, oder, daoistisch ausgedrückt, er hat schlechtes Yang erfahren, dadurch hat sich in seinem inneren schlechtes Yin angesammelt, das Yin wurde immer größer („älter“) und hat sich auf seinem Höhepunkt zum Yang gewandelt, d. h. der Betroffene kommt aus seiner passiven leidenden Position heraus und wird nun zum aktiven Verursacher von Leid.

Sexualität und die "Frucht der Erkenntnis", nach biblischer Anschauung beide auf den "Sündenfall im Paradies" zurück gehende "Erbsünden" und daher zwei zentrale Problemfelder in NGE, werden durch den Daoismus abgedeckt. Sowohl die Sexualität, also das Bedürfnis von Mann (Yang) und Frau (Yin), sich zu vereinigen, als auch das Streben nach Erkenntnis, die durch die gedankenliche Verknüpflung (Konklusion) von Erscheinungen (Prämissen) gewonnen wird (nach Meinung der klassischen abendländischen Philosophie), also wiederum durch Vereinigung, sind gemäß des Daoismus nurmehr Wandlungen jenes metaphysischen Wiedervereinigungsbedürfnisses von Yin und Yang.

Auch geht der Daoismus davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei, jedoch kann es passieren, dass die irdischen Zusammenhänge sein Herz verfinstern. SEELEs Machenschaften, dem entgegen zu wirken, indem sie die Menschheit den irdischen Zusammenhängen entreißt, lässt sich also auch aus daoistischer Sicht deuten.

Weiterhin sind im Daoismus alle Begriffe nur Symbole, die zwar nötig sind, um in und mit der Welt zurecht zu kommen, die jedoch nicht die Welt im innersten an sich darstellen (womit Immanuel Kants „Ding an sich“ streng genommen ein alter Hut ist). Von diesen Begriffen hängt es ab, wie wir die Welt sehen und bewerten, und sobald wir uns aus unserer Mitte entfernt haben, vor allem durch Traumata, ändern sich auch die Begriffe und damit die Weltsicht, nicht aber die Welt an sich. Wenn wir uns dies zu Herzen nehmen, und, sobald wir merken, dass wir aus unserer Mitte draußen sind, alles dafür tun, wieder zurück zu gelangen und damit wieder eine gesunde Weltsicht zu bekommen, die den ständigen Wandel und das durchäusliche Übel in der Welt ohne Verbitterung zu akzeptieren vermag, dann, da stimmt der Daoismus mit Yui Ikari überein, können wir aus jedem Ort ein Paradies machen.

Hinduistisch-henotheistische Interpretation[Bearbeiten]

Das daoistische Weltverständnis ähnelt dem hinduistischen. Auch dort sind die mannigfaltigen Götter allersamt nurmehr Manifestationen eines alleinzigen übergöttlichen Urprinzips. Daher ist der Hinduismus keinesfalls, wie oft fälschlich angenommen, ein Polytheismus, sondern wird als Henotheismus bezeichnet.

Altsinoistisch-konfuzianische Interpretation[Bearbeiten]

In der altchinesischen Weltentstehungsmythologie, die noch älter ist als der Daoismus und aus der sich alle späteren chinesischen Weltanschauungen entwickelt haben (von der Sinologie zusammen gefasst unter dem Begriff "Chinesischer Universismus") ist der Schöpfer des Universums der "Urahn aller Menschen und Lebewesen", unter dessen objektiven und absoluten Blickpunkt sich das Universalgeschehen nach seiner Vorherbestimmung abspielt. Ihm wird in der kultischen "Ahnenverehrung", welche die Konfuzianer in ihren Messen vollziehen, in der Hauptsache gedacht, und erst in zweiter Linie den menschlichen (Sippen-)Ahnen. Gott hat also nicht, wie in den meisten abendländischen Mythen, die Welt durch einen Befehl ("Es werde Licht!") oder durch der eignene Hände Arbeit erschaffen, sondern alles Lebendige stammt unmittelbar von ihm ab - so wie die Menschheit in NGE von Adam und Lilith (?) abstammen.

Japan-gesellschaftskritische Interpretation[Bearbeiten]

Ein weiterer, "erdverbundenerer" Interpretationsansatz, der die bisherigen zusammen zu fassen vermag, ist der japan-gesellschaftskritische. Denn möglicherweise stellt NGE im Kern eine bitterböse Satire auf die gnadenlose japanische Gesellschaft mit ihrer brutalen Etikette dar, an der schon so mancher zerbrochen ist und die in vielen Mangas und Animes angefochten wird.

Die knallharte japanische Etikette hat ihre Wurzeln im japanischen Mittelalter. Zu jener Zeit war Japan bereits sehr dicht bevölkert bei zugleich verhältnismäßig wenigen bewohnbaren Gebieten, die meist in Küstennähe liegen, denn das Hinter- und Innenland ist sehr gebirgig und praktisch Urwald. (Dies zeigt sich heute an den wenigen, aber dafür gewaltigen Stadtkompexen wie Tokio oder Osaka gegenüber dünnest besiedelten weiten Fluren wie die Insel Hokkaido.) Mangels Rohstoffe und aufgrund ständiger Bedrohung durch Erdbeben und Überschwemmungen war es für eine Sippe und ein ganzes Dorf lebensbedrohlich, wenn ein einzelnes Mitglied nicht gut genug "funktionierte". Dadurch wurde freilich die Gemeinschaft genötigt, auf den Einzelnen möglichst viel Druck aus zu üben, damit dieser möglichst gut "funktioniert". Auch hatte man wegen der besagten Rohstoff- und Zeitknappheit nicht die Möglichkeit zu dicken steinernen Wänden und musste mit Papierwänden vorlieb nehmen. Dadurch gab es praktisch keine Geräuschdämmung, was die Notwendigkeit einer sittsamen geräuscharmen Lebensweise nach sich zog.

Dieses vermischte sich mit der knallharten Samurai-Etikette, in der die eigene Ehre und die des Fürsten und/oder Clans, dem man unterstand, mehr zählte als das eigene Leben und einem Samurai, wenn er "Unehre" und "Schande" auf sich geladen hatte, nichts anderes übrig blieb, als rituell Selbstmord zu begehen, um sich und seiner Gemeinschaft die Schande halbwegs zu ersparen.

Hinzu kamen noch der Buddhismus, in dem Selbstlosigkeit und Selbstkasteiung Pflicht ist, der Konfuzianismus, der aus sittsamem Verhalten eine ganze Philosophie macht, und der Daoismus, dessen Weisung, die Dinge an zu nehmen, wie sie sind, dergestalt überinterpretiert wird, dass man sich nun alles gefallen lassen müsse.

Durch alledies ist Japan heute zur "Zwangsjackengesellschaft" geworden. Die archaischen Verhaltensweisen haben sich verselbstständigt und kultiviert. Der Altphilologe Eric Robbertson Dodds führte den Begriff "Schamkultur" ein (gegenüber der "Schuldkultur" im Westen). Häufig dreht sich das ganze Alltagsleben eines Japaners nur darum, wie er sein Gesicht wahren könne, während es der Gesellschaft darum geht, die Fassade "sauber" zu halten. Im Gegensatz zur Schuldkultur werden "Sünden" nicht von einer höheren Macht gesehen, deren Zorn der "Sünder" auf sich zieht, sondern solange die "Schandtat" im Verborgenen bleibt, ist sie praktisch nicht geschehen, weshalb Bordellbesuche, Trinkgelage und die Einnahme von Aufputschmittel "hinter der Kulisse" durchaus gang und gäbe sind in Japan, man bleibt auf der einen Seite eben diskret und sieht auf der anderen weg.

Honne und Tatemae (bzw. Ure und Omote)[Bearbeiten]

"Honne" ("Ure") sind die wahren Gefühle und Bedürfnisse eines Menschen, die jedoch zu Gunsten der äußeren gesellschaftlichen "Harmonie", also der Etikette "Tatemae" ("Omote") zurück zu stecken sind.

Amae und Kyoiku-Mama (Mamagon)[Bearbeiten]

Der vom jap. (-kritischen) Nachkriegsautor Takoe Doi geprägte Begriff "Amae" steht für das Geborgenheits- und Abhängigkeitsbedürfnis des jap. Individuums, das nach Meinung des Autors "Schmiermittel" der jap. Gesellschaft sei. Dies beginne bereits im Kleinkindalter. Hier hat das Kind noch das Recht, sich frei zu entfalten und aus zu toben, während die Mutter übertrieben fürsorglich und nachsichtig ist. Sobald das Kind jedoch in Kindergarten und Schule kommt, ist Schluss mit lustig. Nun gilt gnadenlose Disziplin und Unterordnung unter das Kollektiv, was für nicht wenige Kinder zwangsweise einen Schock darstellt. Dieselbe Mutter, die ihr Kind gerade noch verwöhnt hat, wird nun zur Kyōiku Mama (教育ママ, dt. "Erziehungsmutter"), alternativ auch Mamagon (ママゴン, "Drachenmama", zusammen gesetzt aus "Mama" und "Dragon"), d.h. sie steht nun als treibende Kraft hinter dem Drill ihres Kindes. Auffällig ist die klangliche Ähnlichkeit zwischen "Kyoiku" und "Kyoko", also Kyoko Zeppelin Soryu, Asukas Mutter, derweil Asuka das für sie lebenswichtige Verlangen hat, immer und überall "die Beste" zu sein. (Ihre Mutter als Deutschjapanerin deckt sozusagen den preußischen und japanischen Drill gleichermaßen ab.) Auch Shinjis Mutter Yui Ikari kann da mit hinein genommen werden, ist sie doch auf der einen Seite die liebevolle Mutter, während sie andererseits für SEELE und die "strahlende Zukunft der Menschheit" arbeitet (womit wiederum eine Verbindung zum daoistischen Asatz und der mit Yin und Yang umschriebenen oft paradoxen Zwiespältigkeit alles Seienden gezogen werden kann).

Karōshi (etwa "Tod durch Überarbeitung")[Bearbeiten]

Aus Angst, sich zu blamieren, aus dem Bedürfnis heraus, sich wertvoll und angenommen zu fühlen, oder einfach weil es sich eben "gehört", überarbeiten sich viele Japaner ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit und persönlichen Bedürfnisse. Sinnbildlich sind u.a. die Ohrwecker, die wie ein Hörgerät ins Ohr gesteckt werden können, damit man im Zug seine Haltestelle nicht verpasst, denn allenthalben schläft ein Japaner vor Erschöpfung auf der Fahrt ein ("Inemuri", etwa "öffentliches Nickerchen"), die "tragbaren Schreibtische", die um die Hüften gegürtet werden und auf denen man im Gehen auf offener Straße (!) arbeiten kann, die Stehplätze, die auf Inlandsflügen (!) angeboten werden, und die schubladenartigen Schlafröhren (!) in Nachtzügen, wohinein mit knapper Not ein menschlicher Körper passt. Daher verwundert es nicht, dass Japaner auf der Arbeit mitunter unvermittelt tot umfallen, sei es wegen Herzinfakt, Schlaganfall, Kreislaufkollaps, doch stets wegen Übermüdung. Deshalb werden, unter der Hand versteht sich, Aufputschmittel durchaus toleriert, und sei es, dass, in krassem Widerspruch zur gepflegten Etikette, Rauchverbote allerorts ignoriert werden. Auch sieht man es in Japan nicht so eng, wenn in Oper oder Theater das Handy klingelt. Arbeit geht schließlich vor.
Analogien lassen sich in NGE ziehen mit Katsuragi Vater und Tochter, mit Akagi Mutter und Tochter und mit Gendo Ikari.

Hikikomori (etwa „sich abkapseln“)[Bearbeiten]

Dieses Wort beschreibt sowohl das Phänomen als auch die Betroffenen. Ein Hikikomori hat sich fast vollständig aus dem öffentlichen Leben zurück gezogen, weil er den gesellschaftlichen Druck nicht mehr aushalten kann. Er verbringt die Zeit meist mit Computerspielen und traut sich, wenn überhaupt, nur nachts auf die Straße. So widerfährt es Asuka nach Araels Psychoattacke, und auch Misato zeigte nach dem Second Impact ein solches Verhalten.

Ijime[Bearbeiten]

Die japanische Entsprechung des Mobbings trifft leistungschwache Schüler oder Mitarbeiter, die die "Makellosigkeit" des Gesamtbildes "stören".

Taijin Kyōfushō[Bearbeiten]

Wörtl. "Symptom (sho) einer Phobie (kyofu) vor zwischenmenschlichen Beziehungen (taijin)", bezeichnet dieser von Dr. Morita Masatake eingeführte Begriff die zur Krankheit gewordene Angst eines Japaners (oder überhaupt Ostasiaten), der Etikette und sonstigen gesellschaftlichen Leistungsanforderungen nicht gerecht zu werden, zu versagen und ausgestoßen zu werden. Die banalsten "Anforderungen" sind angstbeladen: Angst vor Erröten, vor einem "nicht makellosem" Äußeren, Angst vor Augen- (und sonstigem) Kontakt. Meist ist der Betroffene gefangen in einer Spirale aus Selbstauseinandersetzung, -zweifeln und -vorwürfen, er versteht sich selbst und die Welt nicht mehr. Er hat Angst, andere zu beleidigen und zu verletzen und aufgrund dessen bestraft und selbst verletzt zu werden. Es ist in Japan offiziell als behandlungsbedürftige psychische Krankheit anerkannt.

Seppuku (Harakiri)[Bearbeiten]

Der rituelle Selbstmord, der sich ab Mitte des 12. Jh. in der Samuraikaste etablierte, demonstriert, dass besagte Etikette auch heute noch letztlich als wichtiger angesehen wird als das Menschenleben.

Die zu NGE ziehbare Parallele ist jene, dass die jap. Gesellschaft auf Einzelbedürfnisse ebenso wenig Rücksicht nimmt wie SEELE. Genauso wie SEELE entschuldigt sich die jap. Gesellschaft damit, dass diese "Maßnahmen" zum "Wohle aller Notwendig" seien (so zu vernehmen beim Verhör Kohzo Fuyuzukis durch SEELE, der dann auch entgegnet, wie immer werde auf Einzelbedürfnisse keine Rücksicht genommen).

Jedoch, das zeigten der traumatologische und der daoistische Ansatz, führen gerade solche Gewaltmaßnahmen zu genau den gesellschaftlichen und individuellen Zerwürfnissen, die sie eigentlich verhindern sollen. Auch die japanische Gesellschaft verfolgt mit ihrer menschenverachtenden Etikette, in der Meinung, durch Wegerziehung der Individualität und Anerziehung einer Einzelform der Etikette würde sie das menschliche Zusammenleben dauerhaft harmonisieren und von allem Übel befreien, in gewisser Weise ein Human Instrumentality Project.

Allgemein-gesellschaftskritischer Ansatz[Bearbeiten]

Der gesellschaftskritische Ansatz lässt sich jedoch noch weiter treiben, um zu verdeutlichen, dass NGE bis in die tiefsten Abgründe der menschlichen Natur hinunter zu reichen vermag. Denn so, wie sich die NGE-Charaktere verhalten, nämlich ihre Mitmenschen für ihre Traumata büßen zu lassen, ohne dass die Schuldfrage wirklich zufrieden stellend geklärt werden könnte, verhielten und verhalten sich auch reale Persönlichkeiten, durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch:

Laozi und Zhuangzi[Bearbeiten]

Schon Laozi (chin. wörtl. "Alter Meister"), angeblich kaiserlicher Hofarchivar im alten China, Lehrmeister des Konfuzius und der älteste Philosoph, von dem etwas überliefert ist, macht im "Daodejing" (etwa "Buch vom Weg und Leben"), dem zentralen Werk des Daoismus, Äußerungen, die nach Kummer und Verbitterung klingen:[1]


Kapitel 9: "Besser ein Gefäß ungefüllt lassen, als bis zum Rand zu füllen; besser ein Schwert nicht schärfen, als durch Schärfen ab zu stumpfen [...]"
Kpt. 18: "Wird der rechte Weg verlassen, entstehen Güte und Moral, Wissen und Klugheit kommen auf, und die Heuchelei beginnt [...]"
Kpt. 19: "Brich mit der Weisheit, verwerfe die Klugheit [...] Brich mit dem Wohlwollen, verwerfe die Pflichten [...]"
Kpt. 20: "[...] Die Masse freut sich am Tieropfer und im Frühling am Besteigen der Berge; ich allein bleibe still, ohne Schicksal, wie ein neu geborenes Kind, wie einer ohne Heimat. Andere besitzen in Hülle und Fülle; mich erfüllt Besitzlosigkeit, ich bin wie ein Narr, verloren und verwirrt. [...] Andere scheinen klug und erleuchtet; ich scheine dumm und umnachtet, schwankend wie das Meer, haltlos wie der Wind [...] Ich bin fern wie ein Einsiedler, ich bin anders als die anderen, mich ernährt die große Mutter [...]"
Kpt. 52: "Der Anfang der Welt ist die Mutter der Welt. Wer die Mutter erkennt, erkennt sich als Kind, wer als Kind sich erkennt, bewahrt seine Mutter und fürchtet das Ende nicht [...]"
Kpt. 70: "Meine Worte sind leicht zu verstehen, leicht zu befolgen. Aber auf der Welt ist niemand fähig, sie zu verstehen, sie zu befolgen. [...] Weil sie diese nicht verstehen, verstehen sie auch mich nicht. Die wenigen, die sie verstehen, werden mich schätzen. [...]"

Anscheinend ist Laozi Schwierigkeiten in seinem Leben und mit der Welt gehabt und äußert diesen Weltschmerz nun in diesen Zeilen. Da er des Schreibens mächtig war, in alten Zeiten und vor allem in China alles andere als die Norm, ist es sehr wahrscheinlich, dass er auf einer Privatschule oder sogar bei einem Privatlehrer aufs Schärfste und Übelste gedrillt wurde. Er erlebte den Leistungsdruck und die Etikette als zermürbend und bekam Abscheu vor der ganzen Gesellschaft. Seinen Eltern waren für ihn eher wie Vorgesetzte, denen er mit gekünstelter Höflichkeit entgegen zu treten hatte, weshalb er sich nach einer "großen Mutter" sehnte und diese letztlich in der ganzen Natur fand - vielleicht spielt die "große Mutter" in NGE, Lilith, auf dieses posttraumatische Phänomen an. Schlussendlich wollte er mit seinem philosophischen Werk Aufmerksamkeit, Anerkennung, Zuwendung herbei führen, von den Menschen und der Welt verstanden und geschätzt werden.

Der Legende nach habe Laozi in hohem Alter reißaus genommen, als sich zunehmend Unruhen und Revolten hervor taten. Der Grenzbeamte habe ihn gebeten, ihm etwas Schriftliches zu hinterlassen, was Laozi veranlasste, dass Daodejing nieder zu schreiben. Danach sei er von dannen gezogen und war niemehr gesehen. Es gibt mannigfache und einander widersprüchliche Legenden über Laozi, so dass manche modernen Geschichtsforscher annehmen, er habe gar nie existiert, sondern sei vielmehr eine Erfindung von Zhuangzi und/oder seinen Gefolgsleuten. Zhuangzi, der um einiges später als Konfuzius lebte, hatte sich schon früh aus der Gesellschaft zurück gezogen. Er wetterte mit drastischen Worten gegen die damals schon konfuzianisch geprägte, d. h. auf Sitte und Etikette äußersten Wert legende Gesellschaft und hat einige Schüler um sich gescharrt, denen die gesellschaftlichen Zwänge ebenfalls zuviel wurden. Um gegen den Konfuzianismus ein Argument zu haben, so vermutet man, haben sie sich einer fiktiven Figur aus den konfuzianischen Anekdoten bedient und dieser die Urheberschaft des Daoismus in die Schuhe geschoben. Geschickterweise bedienten sie sich dabei der Figur des "Lao Dan" ("der alte Dan"), so dass Konfuzius nun ein Schüler ihres Stifters war und sie sich einbilden konnten, über den Konfuzianern zu stehen.

Egal, welche der beiden Darstellungen nun der Wahrheit entspricht: In beiden fällen fußt das philosophische Bemühen auf der Wut und Verzweifelung über das eigene Schicksal.

Konfuzius[Bearbeiten]

"Kindliche Pietät ist die Grundlage der Tugend und der Ursprung aller geistigen Kultur. Setz dich wieder hin und lass mich zu dir sprechen. Körper, Haar und Haut hast du von den Eltern empfangen, die sollst du nicht zu Schaden kommen lassen; damit fängt die Kindespietät an. Das Rechte tun und auf dem Pfad des Guten wandeln und so einen guten Namen auf die Nachwelt bringen, auf dass die Ahnen geehrt werden das ist die Krönung der Pietät. Sie beginnt damit, dass man seinen Eltern dient, führt zum Dienst beim König und endet mit dem Gewinn eines Charakters ..."

Dieser Ausspruch, den Konfuzius einem seiner Schüler gesagt haben soll, verdeutlicht die Quintessenz der konfuzianischen Ideologie, die wie keine andere Sittenlehre die ostasiatischen Kulturkreise von der Wurzel auf beeinflusst hat. Noch vor der Pflicht zur unbedingten Sittlichkeit und Einhaltung der Etikette in der Gesellschaft kommt die "Kindespietät", d.h. bedingungslose Ehrfurcht vor Eltern und Ahnen. Dies wurde fortan oftmals dermaßen ins Extreme getrieben, dass in hungernden Familien die Eltern ihre kleinen Kinder umbrachten, damit die Großeltern genug zu Essen hatten.

Auch Konfuzius kam zu seiner radikalen Ideologie aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse, denn auch in seiner Biographie sind die Analogien zu NGE enorm:

Sein Vater starb, als er zwei Jahre alt war, so dass Mutter und Großvater ihn weiter aufzogen. Obwohl dies ein "ehrenvoller" Tod im Kampfe gewesen sein soll, ist zu bedenken, dass es ein erhebliches Makel in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft war, wenn eine Familie den Vater verlor und es für die Hinterbliebenen so manche Mühsal bedeutete, vor allem psychisch. Es erfolgte passenderweise mit 19 Jahren eine wohl arrangierte Heirat, und Konfuzius musste trotz seiner hohen intellektuellen Begabung mit niedrigen Hilfsarbeiten vorlieb nehmen, ein weiteres Makel in der damaligen Gesellschaft. Allem Anschein nach hat ihm der Privatunterricht beim Großvater mehr geschadet als geholfen, respektive des ohnehin gespannten Klimas in der Familie seit dem Tode des Vaters. Mit 22 Jahren verlor er auch seine Mutter. Trotz alledem entwickelte er seine Ideen weiter und durfte der Legende nach sogar beim kaiserlichen Hofarchivar Lao Dan vorsprechen. Dieser habe aber alles andere als eine gute Meinung von Konfuzius' Einfällen gehabt und ihn sogar richtig zusammen gestaucht, denn Konfuzius soll schon da von übertriebener Sittsamkeit geschwärmt haben. Von den aufkommenden Unruhen blieb auch Konfuzius nicht verschont und floh ebenfalls, allerdings lediglich in die Nachbarprovinz. Danach erlebte er eine steile politische Karriere, sein Einfluss und der seiner Lehren wuchs. Anderen Legenden zufolge war er von vornherein, also nach der Heirat, in fürstlichem Dienst.

Eingedenk der altchinesischen Gesellschaftsverhältnisse durchlebte Konfuzius eine wahrhaft evangelioneske Jugend. Als Halbwaise blieb ihm nichts anderes übrig, als immer und überall in der Öffentlichkeit den braven, gesitteten und wohlerzogenen Jungen zu mimen, um nicht ausgegrenzt zu werden und halbwegs eine Chance auf Anerkennung zu erlangen. Wohl auch Mutter und Großvater trieben ihn an, fürchteten sie doch Scham und Blamage (siehe "Schamkultur" in der japankritischen Interpretation). Dies hat sich tief in seine Seele eingebrannt, und er tat alles, um seinem schmerzlichen Schicksal etwas Positives ab zu gewinnen - er machte es zur Philosophie, die auch eine Art Human Instrumentality Project darstellt, mit verhängnisvollen Folgen bis heute.

Es existiert eine Legende zu Kungzi, die sich als schockierend und passend gleichermaßen darstellt:

Konfuzius sah am Wegesrand einen Bettler in lumpigen Kleidern. Er schritt auf den Bettler zu und schlug ihn erst mit dem Wanderstab. Dann begann er sich heftigst zu echauffieren:
"Als Jungspund habt Ihr nichts zu Stande gebracht, als Erwachsener konntet Ihr Eure Familie nicht ernähren, und nun, als Greis, wisst Ihr nicht, wann es Zeit ist für Euch zu sterben (!!) - verehrter Herr, Ihr seid eine Schande!"
Dann schlug er ihn abermals mit dem Stab.[2]

Konfuzius verhielt sich, eingedenk der beschriebenen Erlebnisse, wie ein "kompensatorischer Seitenwechsler", genau wie Shinji es in Episode 09 tut und Asuka ankreidet, dass sie ja "selber noch ein Kind" sei, wo er doch selbst ähnliche Probleme hat.

Platon[Bearbeiten]

Als der Ahnherr der gesamten abendländischen Philosophie schlechthin gilt Platon. Manchmal heißt es sogar, sämtliche späteren philosophischen Entwürfe seien nur Fußnoten zu ihm.

Als umso frappierender ist es da, wenn sich bei genauerem Hinsehen heraus stellt, wie faschistoid seine Philosophie ist und wie evangelionesk seine Kindheit, die wohl dafür verantwortlich ist. Denn auch Platon veranstaltete ein Human Instrumentality Project.

Aufschlussreich ist die Aussage Wilhelm Weischedels über Platon:[3]

„Platon behauptet, die Frauen stünden an Tugend weit hinter den Männern zurück und sie seien […] auch weit hinterhältiger und verschlagener als diese. Er nennt sie oberflächlich, leicht zu erregen und leicht zu erbittern, zu Schimpfreden geneigt, dabei zaghaft und abergläubisch. Ja, Platon geht so weit zu behaupten, eine Frau zu sein müsse ein Fluch der Götter sein; denn diejenigen Männer, die sich im Leben nicht zu beherrschen wussten, sondern feige und ungerecht waren, würden als Strafe dafür nach dem Tode als Weiber wieder geboren werden.“

Weischedel fährt fort:

„Wer so von den Frauen denkt, der kann auch in der Ehe den zarten seelischen Regungen nicht viel Raum geben. In der Tat betrachtet Platon die Ehe nicht unter dem Gesichtspunkt, dass zwei Menschen in Zuneigung und gemeinsamer Gesinnung ihr Leben gestalten, sondern lediglich im Hinblick auf Zeugung und Aufzucht von Kindern. Nicht Sympathie soll Mann und Frau zusammen führen, sondern die Aufgabe, einen möglichst tüchtigen und wohlgeratenen Nachwuchs hervor zu bringen. Daher ist es Sache des Staates, dafür zu sorgen, dass die rechten Partner zusammen finden; die Frauen werden den Männern als Lohn für kriegerische Tüchtigkeit zugewiesen, oder, noch radikaler, sie werden als gemeinsamer Besitz der Männer betrachtet. Es ist also nicht gerade ein seelenvolles Bild, das Platon von der Liebe zwischen Mann und Frau entwirft.“

Nach modernen psychotraumatologischen Erkenntnissen sind dies die Erfahrungen, die Platon in einem psychotischen Elternhaus gemacht hat. Sein Bild von der Frau hat er wohl so bei seiner Mutter erlebt, und sein Vater muss psychisch labil gewesen, was Platon in einen transkarnatorischen Zusammenhang gebracht hat. Menschen, die in radikale Randgruppierungen abrutschen, können aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten kommen – so war Platon adeliger Herkunft. Jedoch ist allen eines gemein: Eine traumatische Kindheit, die allzu oft zu faschistoiden Ansichten führt.

So zeigt sich auch Platons philosophisches System bei genauem Hinsehen als ein einziger Wust von faschistoiden Ansichten und Traumakompensation:

Zentral ist bei Platon die Idee von der „Idee“. Eine „Idee“ ist ein metaphysisches Urbild, das ins Diesseits seine Schatten wirft, vielmehr Abfallprodukte, die nun der Vollkommenheit der „Idee“ nachstreben und dabei kläglich verenden. Zum Beispiel ein irdischer Baum wächst und gedeiht, weil er der jenseitigen „Idee des Baumes“ nacheifert. Jedoch wird es ihm nicht vergönnt sein, er wird letztlich sterben und verfaulen. Dies ist das tragische Schicksal aller irdischen Existenzen, meinte Platon. In Wahrheit aber suchte er wohl nur eine Erklärung für seinen enormen seelischen Kummer, den er in die ganze Welt hinaus projizierte. Er fühlte sich selber schmutzig und unvollkommen und wollte wenigstens eine Erklärung haben, wenn es schon kein Heilmittel gab. Denn auf die Idee mit der „Idee“ ist er gekommen, als er das ganze Leid und die ganze Ungerechtigkeit in der Welt gesehen hat und in sich eine Sehnsucht nach einer besseren, heilen Welt gespürt hat. Da er solches Heil niemals im Diesseits kennen gelernt hatte, schlussfolgerte er, müsse es wohl aus dem Jenseits kommen, und seine Seele müsse es vor der Inkarnation miterlebt haben.

Dass Platon die Welt als einen einzigen Hort von „Schattenwürfen“ bezeichnet hat, könnte auch daher rühren, dass er die Umwelt per se als schattig empfand. Dies fiele dann in die Kategorie Dissoziative Persönlichkeitsstörung. Dissoziation aus dem Lateinischen bedeutet wörtl. „Entfreundung“ und meint das in Schüben wieder kehrende Irrealwerden der Realitäts- und auch eigenen Körperempfindung, ein traumabedingtes Phänomen. Entsprechend bezeichnete Platon auch den Körper als „Gefängnis der Seele“, weil sich sein Bewusstsein wohl traumabedingt von Körper und Umwelt immer wieder dissoziiert hat.

Faschistoid wird es, wenn es um die „Idee des Schönen“ geht, woran jedes irdische Ding unterschiedlichen „Anteil“ hat. So hat eine „schöne“ Blume höheren Anteil daran als eine „hässliche“, ein „schöneres“ Kunstwerk höheren als ein „hässliches“ usw. Es wird ein absoluter objektiver Maßstab festgelegt, welches Ding wie „schön“ und wie „hässlich“ ist. Auf individuellen Geschmack wird keine Rücksicht genommen. Platon glaubt zu wissen, was als „schön“ zu gelten hat und was als „hässlich“, und wer anders denkt und fühlt, ist im Unrecht.

Diese egomanische und faschistoide Einstellung verdeutlicht sich im berühmten Höhlengleichnis, wie es im „Politeia“, einem der Hauptwerke Platons, zu finden ist:[4]

In einer Höhle sind Leute zeitlebens festgebunden. Sie können nur auf eine Wand sehen, während hinter ihnen ein Feuer lodert. Vor dem Feuer, aber hinter dem Rücken der Gefangenen, treiben diverse Gestalten ihren Schabernack, wovon die Gefangenen nur die Schattenwürfe an der Wand sehen. Sie meinen, von diesen Schatten kämen auch die Geräusche, die in Wahrheit die Gestalten vor dem Feuer verursachen, und sie meinen, die Dinge wären in Wirklichkeit so wie die Schatten an der Wand. Platon meint nun, wenn man einen der Gefangenen losbände und zwänge, sich umzudrehen, würde er vom Feuer geblendet und nichts erkennen. Er müsse sich erst an das grelle Licht gewöhnen. Noch drastischer: Wenn man einen Gefangenen losbände und gar zwänge, ans Tageslicht zu gehen, so wäre er ganz und gar geblendet. Sobald aber gewöhnt an das helle Tageslicht, würde er nun voller Enthusiasmus zurück in die Höhle wollen, um den anderen seine Erkenntnisse kund zu tun. Aber sie würden ihm nicht glauben. Sie würden „von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen.“ Ja, jeden, der sie „lösen und hinauf bringen“ will, würden sie nun umbringen.

Platon meinte also, wir alle wären im irdischen Leben fest geknebelt. Er meinte, die konkreten Dinge wären per se unwahr und hielt die „tiefere Wahrheit dahinter“, die er sich zusammen spann, für die wirkliche Wahrheit. Er meinte, man müsste einen solchen „Gefangenen“ mit Gewalt zwingen, dieser „Wahrheit“ ins Gesicht zu sehen, gutes Zureden, überzeugen oder vernünftiges Argumentieren wird gar nicht genannt. Hat jemand dann einmal die „Wahrheit“ erkannt, würde er nun wie ein Messias herab steigen und die „Unwissenden“ bekehren wollen. Doch die Welt sei so „böse“ und „dumm“, dass sie ihn, anstatt ihm die zustehende Verehrung dar zu bringen, lynchen würden. Ein fast paranoides Weltbild, das Platon hier darbietet.

Eine solch „böse“ und „dumme“ Welt bedarf freilich eines Human Instrumentality Projects, das Platon in beängstigender Vortrefflichkeit im „Politeia“ offeriert:

Platon teilt den idealen Staat, von dem er überzeugt ist, dass er dauerhaft Frieden und Gerechtigkeit bringe, in drei Schichten ein: Unten die Bauern- und Handwerker, der „Nährstand“, darüber die Krieger und Wächter, der „Wehrstand“, ganz oben die Philosophen, der „Lehrstand“, also Leute wie Platon. Bereits bei der Geburt wird geprüft, welche Leistungsfähigkeit ein Neugeborenes später bringen wird, und seine Ausbildung wird in entsprechende Bahnen gelenkt. Die Kinder werden hierzu den Eltern weggenommen und in totaler Gleichheit aufgezogen, allein beenden für den Bauernstand bestimmte Kinder die Ausbildung am frühesten, die Kriegerkinder später, und am spätesten die Philosophenkinder, die damit automatisch Herrscher werden. Zu schwache Säuglinge werden umgebracht. Noch zu Platons Lebzeiten wurde in Sizilien der Versuch unternommen, dieses „Modell“ zu installieren, jedoch scheiterte man kläglich. Erst danach besann sich Platon und milderte im Werk „Nomoi“ seine Prinzipien etwas ab.

Wie in sektischen Weltanschauungen allzuhäufig vorkommend, gibt es auch bei Platon den kompensatorischen Wunschtraum einer "Heilen Welt", eines "Paradieses", das einst in der Vergangen geherrscht habe. In seinem Werk "Politikos" behauptet Platon, einst seien alle Menschen unbekleidet (!) gewesen, weil das Klima dies erlaubt habe, und hätten ohne Gewalt und ohne Zwietracht in Harmonie miteinander gelebt, auch mit dem Tieren, deren Sprache sie noch verstanden und die sie noch nicht als Nahrung "missbrauchten". Aber auch hier habe es einen "tragischen Abfall vom Paradies" gegeben...

Platons Prinzipien hatten erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die abendländische Geistesgeschichte. Der mittelalterliche Feudalismus und die katholische Theologie gehen ziemlich direkt auf Platon zurück.

Namhafte moderne Philosophen wie Karl Popper sehen in Platon nicht nur den Ahnherr der abendländischen Philosophie, sondern auch den Ahnherren des Faschismus und Totalitarismus.

Platons Schüler Aristoteles machte den evangelionesken Ausspruch:

"Man darf nicht auf die Mahnung jener hören, die sagen, der Mensch solle nur an Menschliches, der Sterbliche nur an Sterbliches denken; wir sollten vielmehr uns bemühen, unsterblich zu sein..."

Augustinus[Bearbeiten]

Grundlegend für das Weltbild der meisten christlichen Kirchen sind die philosophischen Ausführungen des Augustinus von Hippo, dem wichtigsten unter den sog. Kirchenvätern, wie er im 4. Jh. n. Chr. lebte. Er wird zu den „Neuplatonikern“ gezählt, jenen Denkern, die Platons Weltanschauung noch radikalisierten. So tat auch Augustinus, der den Platonismus in das Christentum brachte, mit nachhaltigen Folgen bis heute. Denn auch bei Augustinus geht das Philosophieren letztlich nur auf seine persönlichen Probleme zurück:

Augustinus würde heutzutage wohl als „Problemkind“ bezeichnet werden, weniger, weil er ungern zur Schule geht, als vielmehr weil er bereits in Diebstähle verwickelt ist. Dies wächst sich mit dem Erwachsenwerden nicht aus, im Gegenteil. Als Student wird er Mitglied in einer Verbindung namens „Umstürzler“, die nächtens Leute überfällt, sofern sie sich nicht Saufgelagen und Hurereien hingibt. Trotzdem schafft es Augustinus in die akademische Laufbahn und wird Dozent in Rom und Karthago, ohne dass dies seinem bisherigen Lebenswandel einen Abbruch tun könnte, wohnt er doch mit einer Hure zusammen. Eine „ordentliche“ Heirat mit einer „anständigen“ Frau scheitert, da Augustinus bereits eine neue Geliebte hat.

Auf einmal jedoch widerfährt ihm eine „Bekehrung“. Er lässt sich mit 33 Jahren taufen (im selben Alter wie Jesus, als er am Kreuz gestorben sei), gründet ein Kloster und wird später sogar Bischof. Doch damit nicht genug: Augustinus bekam einen üblen Schuldkomplex. Die Totalität seines jugendlichen Verhaltens erscheint ihm nun als „Sünde“, und zwar nicht nur die Diebstähle, Überfälle, Saufgelagen und Hurereien:

„Alles vielmehr, auch das scheinbar Harmloseste, sieht er nun als Schuld an: Etwa dass er als Schüler das Spielen dem Lernen vorzog, oder dass er sich lieber mit dem Brand von Troja als mit dem Einmaleins beschäftigte, oder dass er so gern ins Theater ging. Ja, er fragt sich sogar, ob es nicht schon Sünde war, dass er als Säugling allzu ungeduldig nach Nahrung schrie.“ (!) Wilhelm Weischedel

„Ich war mir selbst zur Frage geworden“ sagt Augustinus selbst, und als Antwort spann er sich ein evangelioneskes Weltbild zusammen: Der Mensch lebe in der „Verkehrung“. Er selbst sei verkehrt, die Welt, in der er lebt, sei verkehrt, schlichtweg alles sei im Diesseits verkehrt. Dem wolle der Mensch jedoch sehnsüchtig entfliehen, weshalb sein Herz in „Unruhe“ sei. Wiedererlangen könne er seine Ruhe aber erst durch und in Gott: „Du hast uns zu Dir hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es ruhe in Dir.“ Hier transportiert sich bereits die „Lösung“ des Problems, nämlich dass letztlich alles, auch Sünde und Schuld, von Gott gewollt sind. Denn die „Verkehrung“ bestimmt den Menschen von Anbeginn seines Daseins an, schreit dieser doch u. a. zu ungeduldig nach Nahrung. Daher kann diese „Verkehrung“ nur vom Sündenfall im Paradiese herrühren, jenem Szenarium, als der „vollkommene“ Mensch vom Teufel dazu verführt wurde, von der Frucht der Erkenntnis zu essen und so dauerhafte „Schuld“ auf sich zog, die als „Erbsünde“ weitergegeben wird. Da nun aber Gott „allwissend“ und „allmächtig“ ist, müsste er doch all dies voraus gesehen haben. Er hätte wissen müssen, dass es zum „Sündenfall“ kommen würde, er hätte wissen müssen, dass das gesamte Diesseits deshalb „verdorben“ würde, er hätte auch gewusst, welche Menschen zur „Bekehrung“ und damit zum „Heil“ gelangen und welche nicht, und kraft seiner Allmacht hätte er von vornherein die Schöpfung anders gestalten können. Da er dies jedoch nicht gemacht hat, schließt Augustinus: Gott wollte all dies. Gott wollte eine unvollkommene Schöpfung, er wollte den Sündenfall geschehen lassen, er wollte die einen erretten und die anderen verdammen. Denn alles ist durch ihn vorherbestimmt, das Schicksal des Universums ist bereits geplant. Da Gott allmächtig und allwissend ist, kann es außer ihm nichts Eigenständiges mehr geben, schon gar nicht den „sündigen“ Menschen. Wer Glück hat und von Gott zum Heil bestimmt ist, dem widerfährt, wie Augustinus, eine „Bekehrung“, wer nicht auserwählt ist, der schmort in der Hölle.

Häufig verhält es bei psychisch Kranken so, dass sie, weil sie kein Selbstwertgefühl zu sich selber haben, dieses auf eine außerhalb ihrer befindliche Sache projizieren und ein Zuschadenkommen dieser Sache als persönliche Verletzung empfinden. Bei Augustinus verhielt es sich so, identifizierte er sich doch krankhaft stark mit Gott und achtete penibel darauf, dass dessen „Ehre“ durch nichts „geschmälert“ würde, z. B. durch allzu große Freiheit und Eigenständigkeit der „sündigen“ Menschen.

Es liegt auf der Hand, dass solch eine „Weltanschauung“ nicht mehr als ein Ventil für Aggressionen und Ängste ist. Denn es zeugt von seelischer Angeschlagenheit, wenn jemand aufgrund einer Legende (die Bibel) und einer philosophischen Lehrmeinung (Platon) Todesangst bekommt und dann eines solch evangelionesken Weltbildes als Rettungsankers bedarf. Es passiert bis in die heutige Zeit hinein, dass seelisch Verwundete sich in Kloster und Klerus oder auch nur in radikale Religiosität vor der Welt flüchten, von wo aus sie ihre evangelionesken Ansichten in Form von Polemik und kirchlichen Dogmen verbreiten.[5]

Martin Luther[Bearbeiten]

Martin Luther, Initiator der sog. Reformation, die sich gegen die spätmittelalterlichen Missstände in der kath. Kirche wandte, war ein religiöser Fanatiker und zerfressen von Schuld- und Minderwertigkeitskomplexen. Spät abends in der Klosterzelle soll er immer wieder in einen "Kampf mit dem Teufel" geraten sein, von dem er meinte, er wolle von ihm "Besitz ergreifen", was sich in lautem Geschrei geäußert habe, wollte Luther doch, dass der Satan "im Namen Jesu Christi" von ihm "ablassen" solle. Überhaupt hatte er, bevor er auf seine reformatorischen Ideen kam, große Angst vor der "Gerechtigkeit" Gottes, waren doch alle Menschen viel zu "sündhaft" und würden so um das "Höllenfeuer" nicht umhin kommen. Luther jedoch studierte die Bibel genauer, und er glaubte nun, erkannt zu haben, dass der Mensch zwar durch eigene Leistung gar nicht den "göttlichen Ansprüchen" genügen könne. Aber genau dafür sei Jesus dereinst am Kreuze gestorben, uns alle von unseren Fehlern zu "befreien", und es bleibe einem "Christenmenschen" zu seinem "Seelenheil" nichts anderes übrig, als dieses "Geschenk" ("sola gratia" = "allein durch Gnade") dankbar, demütig und gläubig entgegen zu nehmen ("sola fide" = "allein durch Glauben").

Nach modernem Kenntnisstand muss Luther unter einer religiös-fanatischen Erziehung gelitten haben, die, sich auf die "Erbsünde" beziehend, überzeugt davon war, dass ein Mensch prinzipiell nicht "gut genug" für Gott sei und er deshalb immer wieder gedemütigt werden müsse, auch durch sich selber, um "Buße" zu tun und Gott zu "gefallen". Dies führte erstens zu aufgestauten posttraumatischen Aggressionen, die sich immer wieder schubweise entluden, und Luther meinte dann, der Teufel wolle ihn "übermannen". So brutal, wie er Eltern und Gesellschaft erlebt hatte, stellte er sich auch Gott vor und hatte freilich Todesangst vor ewiger (!) Folter im "Jenseits". Er suchte verzweifelt nach einem Ausweg aus seinen Ängsten und fand sie in Jesu Kreuzestod, indem er ihn so interpretierte, dass damit alle "Sünden" von vornherein ausgelöscht seien und so der Mensch "unvollkommen" sein "dürfe", ohne Angst vor dem Höllenschlund haben zu müssen.

Das Ausmaß des aufgestauten Zorns, im Mittelalter als Normalfall anzusehen, zeigt sich an so manchen Äußerungen Luthers:

Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen. Wenn ich könnte, wo würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren. Jawohl, sie halten uns [Christen] in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein [...] Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. – Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner [...]

(In der Nazizeit meinten viele, Luther hätte ein "Deutschchristentum" gewollt und nahmen solche Äußerungen mit als "Rechtfertigung" dafür, die Juden zu vernichten.)

Besonders deutlich wird Luthers Selbsthass in seiner Antwort auf die Frage, ob seine Anhänger "lutherisch" genannt werden sollen:

„Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi mit meinem heillosen Namen nennen sollte?“

Dieses Minderwertigkeitsgefühl kompensierte er mit Narzissmus:

"Aber es ist schwierig, dass einer, der durch Gaben des Geistes ausgezeichnet ist, sich nicht überheben soll."
„Die Welt hat nicht einen solchen Ekel an mir, als mein Ekel an dieser Welt ist.“

Dieser Satz spricht wohl für sich.

Dabei wusste Luther durchaus, was in Wahrheit mit ihm los war:

„Denn ein Herz voll Freude sieht alles fröhlich an, eine Herz voll Trübsal alles trübe.“

Die Kernthese NGEs hat sich also auch bei Luther bewahrheitet.
(Luther meinte, ein "wahrer Christ" brauche nur dann in die Kirche, wenn er das "Bedürfnis habe". Wahrscheinlich wollte er einfach sonntags lange im Bett bleiben können, ohne Angst vor einer "göttlichen Rüge" zu haben.)


Arthur Schopenhauer[Bearbeiten]

Arthur Schopenhauer gilt als der Begründer des philosophischen Pessimismus oder genauer des "Pessimistischen Voluntarismus". Stellenweise sind seine Äußerungen, egal ob bezogen augf die Philosophie oder den Alltag, so derbe schwarzseherisch, dass man ihn fast als "NGE in Person" bezeichnen könnte. In der Tat gestaltet sich seine Weltsicht äußerst evangelionesk.

Der Weltlauf sei ein einziger "fortgesetzter Betrug". "Die Wilden erschlagen einander, die Zahmen betrügen einander". Jeder laufe, vom unbeständigen trügerischen Glück genarrt, letztlich "schiffbrüchig im Hafen ein". Selbstmord bringe nichts, denn der "Weltwille" rufe sofort eine "neue Inkarnation" hervor, Er "wütet wider sich selber" und mache mit sich selbst ein makaberes Spiel. Sämtliche Kräfte und Dränge des Universums, von der Elektrizität über den Magnetismus bis zu Liebe und Hass seien allesamt Manifestationen des einen Urwillen und -drang, der hierdurch zur Selbstverwirklichung strebe. Heraus helfe da nur die "Verneinung des Weltwillens" und "Mitgefühl mit allen Lebewesen", die ja das gleiche Schilcksal tragen.

Mitgefühlvoll war Schopenhauer jedoch selten zu seinen Mitmenschen. Eine Frau, die ihn zuschwatze, warf er zu Boden und verletzte sie nachhaltig, wofür er Strafe zu zahlen hatte, was ihm eine Bestätigung seiner Weltsicht war. Seine Kollegen Fichte, Schelling und Hegel beschimpfte er bisweilen mit richtigen Kraftausdrücken, indessen er selber sich zu einem "Religionsstifter" empor hob. "Ein Denkmal wird mir die Nachwelt errichten!" träumte er sich in den "Unverschämten Versen" zusammen.

Betrachtet man sich Schopenhauers Biographie, so wird schnell überdeutlich, was für eine solch evangelioneske Grundhaltung verantwortlich war: Johann Wolfgang von Goethe saß einst mit Johanna Schopenhauer, ihres Zeichens Schriftstellerin und Mutter Arthurs, beim Kaffeetisch beisammen und wies sie auf die außergewöhnliche Intelligenz ihres Sohnes hin. Darauf sagte sie:

"Ich habe noch nie erlebt, dass es zwei Genies in einer Familie gegeben hätte!"[...]

Nun wird klar, worunter Arthur Schopenhauer litt: Er litt zum einen unter seiner egomanischen Mutter, die frappierende Ähnlichkeit mit Naoko Akagi aufweist, daneben war sein Vater ihm bereits in jungen Jahren verstorben. Dies brachte ihm enorme Minderwertigkeitskomplexe. Als er in einem Museum selbstgesprächführend umher irrte, fragte ihn ein Wärter, wer er denn sei. Er antwortete:

"Wenn Ihr mir sagen könntet wer ich bin, dann müsste ich Euch zu Dank verpflichtet sein!"

Dieses heftige Minderwertigkeitsgefühl kompensierte er durch einen überdimensionalen Narzissmus.

Daneben ist es ein häufiges posttraumatisches Phänomen, dass Betroffenen alles schwer fällt. Sie müssen sich zu allem zwingen. Es bedarf also eines unheimlichen Willens, das Alltagsleben zu meistern. Des Weiteren empfinden sie ihre Aggressionen als wahrhafte Impulse bzw. die erdrückende Schwere der Antriebslosigkeit. Vor allem aber empfinden sie Konflikte in ihrem Umfeld übertrieben nach, da sie an ihre eigenen erinnert werden. Dies alles muss als das angesehen werden, was Schopenhauer als den "Weltwillen" erkannt zu haben glaubte: Nämlich seine eigene posttraumatische Belastung.

Schopenhauers bekanntes "Stachelschweindilemma" wurde in Episode 04 aufgegriffen und weiterentwickelt; in der engl. und dt. Fassung wurde gleich die ganze Folge danach benannt.

NGE als Seitenhieb auf die "New Age"-Bewegung?[Bearbeiten]

Bereits die Wortfügen "Neon Genesis" und "New Age" lassen ähnliche Inhalte durchscheinen, geht es doch beiderseits und den Versuch, ein "Neues Zeitalter" zu initiieren.


Die New Age-Bewegung schlechthin gibt es zunächst nicht, vielmehr handelt es sich um ein Sammelsurium esoterischer Weltanschauungen, die mit der Absicht entwickelt wurden, althergebrachte Philosophien und Religionen zu ergänzen, abzumildern, ja abzulösen und die "Tore" zu einem "neuen" globalen Welt-, Seins- und Selbstverständnis aufzutun. Denn allzu oft hat man traditionelle Normen und Werte und die dahinter stehenden Ideologien als starrsinnig und repressiv bis hin zur Inhumanität empfunden und möchte sich von diesen schmerzlichen Prägungen befreien...

Die gemeinsamen Wurzeln aller "New Ages" finden sich einen Teils in der sog. Theosophie des 19. Jahrhunderts, wo u. a. Rudolf Steiner die für das New Age fundamentale Hypothese von den "Astralleibern", d. h. "höherdimensionale energetische Seelenkörper" formulierte. Mit dem Absolute Terror Field (Aura!) und dem Engel Leliel (höhere "göttliche" Dimension!) hakt NGE bereits hier ein. In den 1960er Jahren kamen dann anderen Teils im Zuge der Hippie-Bewegung fernöstliche Elemte hinzu, hauptsächlich des Hindu-Buddhismus in Form von "Wiedergeburt", "Karma" (Taten aus dem letzten Leben wirken sich auf das nächste aus), "innerkörperlicher Energiefluss" usw. usf. Dritten Teils wurde wieder verstärkt jüdisch-christliche Mythologie (!) miteinbezogen, nämlich die Überlieferungen aus der Bibel über sog. Geistheilung mittels des "Heiligen Geistes". Vierten Teils kommt es auch vor, dass sämtliche bekannte "Religionsstifter" für "aufgestiegene Meister" erklärt werden, die, ähnlich den "Heiligen" der katholischen Kirche, jederzeit zur "Hilfe gerufen" werden können.

Jedoch, wie oben bereits erwähnt, suchen sich die New Age-Verfechter wiederum nur einen Ausgleich zu vergangenen Misserlebnissen, die in ihnen fortwährend das Leben schwer machen. In der Tat haben sie dabei erkannt, dass gegenwärtiges seelisches Mangelgefühl aus einem tatsächlichen Mangel an Liebe in der Vergangenheit entspringt. Von dieser negativen Prägung trachtet man sich zu lösen, benennt aber diesen Zusammenhang als "Karma", und sucht sich dann Ersatzliebe im Universum und im "Überirdischen". Dies kann richtig gehend zu Wortfügungen wie "Große Mutter" (Lilith!), "Gott-Vater-Mutter" (Adam und Lilith!) o. ä. führen, dessen/deren "Lebensenergie" sich in vielen Farben (verschiedener "Farblehren") in die Seele strahle oder fließe und Heilung bewirke. Allerlei kultische Praktiken stehen zur "Anrufung" zur Verfügung.

Allen New Age-Ideologien gemeinsam ist ein überschwenglicher Optimismus in Erwartung des "Neuen Zeitalters". Alles Leben kommt aus einer Urquelle, und dieser "Urverbindung" müsse man sich wieder bewusst werden, um "Heil" zu erlangen. Jeder Mensch kann und muss sich selber, seine Begabungen, seine Hoffnungen und Sehnsüchte mit dieser "Erkenntnis" erlangen. Letzten Endes aber werden alle Menschen zu dieser Urquelle wieder zurück kehren (The End of Evangelion!).

NGE scheint dieser Vorstellung nun einen "Umkehrspiegel" vorzuhalten und zu fragen, ob eine "Wiedervereinigung" aller Menschen a) überhaupt ein erstrebenswertes Ziel ist und b) vergangenheitliche Verbitterung ohne Weiteres in "positive Energien" umgemünzt werden können, und weist auf die Gefahr hin, dass aus einem optimistischen Überschwang wieder das genaue Gegenteil werden kann, sobald man nämlich mit solcher "Ersatzliebe" seine Vergangenheit und sich selber zu verzerren beginnt, wodurch auch Denken und Handeln verzerrt werden. Dann nämlich geschieht das, was NGE thematisiert: Eben WEIL man eigenes und fremdes Leid um jeden Preis aus der Welt schaffen will, erzeugt man neues Leid und schlägt damit letzten Endes in dieselbe Kerbe wie die althergebrachten Ideologien, unter denen man gelitten hat.

Und in der Tat ist New Age im Grunde genommen nur eine Neuauflage archaischer Kulthandlung, Heiligenverehrung und Erlösungssehnsucht, und damit die alte Sehnsucht nach einer besseren Welt - mit dem alten Ergebnis des genauen Gegenteils.

Lilith = "Große Mutter"?[Bearbeiten]

Vor allem die Geschehnisse in The End of Evangelion lassen den Verdacht enstehen, Lilith könnte eine Bezugnahme auf die "Große Mutter" sein, wie sie im Dao De Jing von Laozi thematisiert wird:

20. VON DER FREIHEIT
Gib das Wissen auf
Sei ohne Angst
Gibt es einen Unterschied zwischen Ja und Nein?
Gibt es einen Unterschied zwischen Gut und Böse?
Muss ich fürchten, was alle fürchten?
Welch ein Unsinn !
Die Masse freut sich am Tieropfer
und im Frühling am Besteigen der Berge
Ich allein bleibe still, ohne Schicksal
wie ein neugeborenes Kind
wie einer ohne Heimat
Andere besitzen in Fülle
mich erfüllt Besitzlosigkeit
ich bin wie ein Narr
verloren und verwirrt
Andere scheinen hell und klar
ich scheine dunkel und trübe
Andere scheinen klug und erleuchtet
ich scheine dumm und umnachtet
schwankend wie das Meer
haltlos wie der Wind
Andere sind geschäftig
ich bin fern wie ein Einsiedler
Ich bin anders als die andern
mich ernährt die Große Mutter

Auch bei den Esoterikern ist die "Große Gottmutter" ein fundamentales Thema.

Materialien[Bearbeiten]

  1. Laozi: "Tao Te King", Übs. Bodo Kirchner
  2. Zitiert nach Roger T. Ames, Professor für chinesische Philosophie an der Universität Hawaii
  3. Wilhelm Weischedel: "Die philosophische Hintertreppe", 23. Aufl. (2002), nymphenburger, München 1996, S.45/46
  4. Politeia Buch VII - Nach der Übersetzung der Bücher I-V von Wilhelm Siegmund Teuffel und der Bücher VI-X von Wilhelm Wiegand in: Platon's Werke. Zehn Bücher vom Staate. Stuttgart, 1855, bearbeitet.
  5. W. Weischedel: "Die phil. Hintertreppe", S.91-102

Siehe auch[Bearbeiten]