Episode 09

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Eine ganz bemerkenswerte Folge: Zwei Piloten, die sich erst seit einer Episode kennen und schon verachten gelernt haben, müssen sich nun aufeinander abzustimmen lernen - buchstäblich. Denn der jetzt angreifende Doppelengel Israfel ist quasi perfekt auf sich selber eingestellt - in Gestalt seiner zwei Einzelwesen. Diese agieren vollständig synchron und sind auch nur zu besiegen, indem sich je ein Eva genau eines Einzelwesens annimmt. Die Evas müssen dabei ihren Kampf dann ebenso synchron choreographieren – d. h. die Piloten sich perfekt aufeinandenr ab- und einstimmen. Shinji und Asuka sind davon zunächst meilenweit entfernt...

Wer nicht tanzt, der nicht gewinnt
Israfel 02.jpg
Allgemeines
Episoden-Nr.

09

800px-Flag of Japan.svg.png Erstausstrahlung

29.11.1995

Originaltitel

瞬間、心、重ねて (Shunkan, kokoro, kasanete)

Zweiter Titel

'

Englischer Titel

Both of You, Dance Like You Want to Win

Regie
Autor

Hideaki Anno

Szenenbuch
Handlung
Hauptcharaktere
Engel

Israfel

Handlungsorte

Neo Tokyo-3

Kontext
Vorherige Episode

Episode 08

Nachfolgende Episode

Episode 10

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Handlung[Bearbeiten]

Asukas erster Schultag im neuen Lande: Man sieht Asuka fröhlich mit ihren neuen Mitschülern durchs Haupttor gehen, man sieht sie unter ihren Schulkameradinnen beim Sport sitzen. Und man sieht diese Schulkameradinnen und Asuka in der Mädchenumkleide - alles Standbilder. Aus dem Off hört man ein paar Jungs begeistert spekulieren über ihre Herkunft und über den Sinn ihrer Anwesenheit: Ob sie zwar in Japan geboren sei, aber einen Freund in Deutschland habe; ob sie vielleicht getrennt sei von ihm und deshalb hier in Japan Trost suche. "Sie ist einfach Zucker!", diese deutsche "Gaijin" (Ausländerin), wie es aussagekräftig heißt. Während alldessen sieht man, dass diese Standbilder tatsächlich Fotos sind, mehr oder weniger heimlich geschossen und mehr oder weniger (in)diskret zum Verkauf angeboten, z. B. für 30 Yen. Und man sieht, wie die weiblichen Mitschüler über die 'neue Schöne' ihre Nase rümpfen – wo sie vorher noch fröhlich beisammen gesessen haben (unter ihnen Hikari Horaki, die spätere beste Freundin von Asuka...)

Asuka hat in ihrem Postspint denn auch einen ganzen Haufen Liebesbriefe ("An meine Angebetete"), die ihr beim Öffnen regelrecht entgegenfallen. Allerdings stampft sie mit ihrem "I love Asuka"-Schuh wütend darauf...

Toji und Kensuke sitzen im Freien. Toji betrachtet sich Negativabzüge von einigen Fotos. Nun wird klar: Kensuke hat sie geschossen, denn ein Mitschüler bedankt sich und geht, derweil Kensuke grinsend sein Geldbündel ordnet. Toji hat hier seine Schuluniform an. Er kann nicht verstehen, wie alle Jungs so auf Asuka abfahren - wenn die nur wüssten, wie sie "wirklich ist".

Asuka und Shinji treffen aufeinander. Asuka begrüßt ihn auf deutsch und schnippt ihm ins Gesicht - gefälligst "hat man sich zu freuen", wenn Asuka einen begrüße. Nicht zuletzt sei sie das "beliebteste Mädchen der Schule". Sie erkundigt sich nach dem 1st Children Rei Ayanami. Dieses sitzt etwas abseits alleine auf einer Bank und scheint mit einem Buch Mathematik oder Physik zu lernen. Asuka stellt sich nun prominent auf einen danebenstehenden Betonblumenkübel, wodurch sie einen Meter erhöht erscheint und Rei den Schatten auf das Schulbuch wirft. Schnippisch und näckisch bietet Asuka ihr die Freundschaft an. Rei will wissen warum. Dies sei halt "ganz praktisch", so Asuka. Freundin werde sie nur "auf Befehl", entgegnet Rei. Ob sie sie noch alle habe, entgegnet Asuka. Und on nur Bekloppte Children werden könnten, schließt Toji, etwas aus der Ferne das ganze mit dem Baka Trio beobachtend, die Szenenfolge ab.

Im HQ studiert Ritsuko Akagi die Daten des in Episode 08 bezwungenen Engels Gaghiel. Ryoji Kaji zwingt ihr von hinten eine Umarmung auf und schmiert ihr Honig um den Bart. Sie habe abgenommen, sie habe wohl "Liebeskummer". Die Masche ziehe aber bei ihr nicht, so Ritsuko. Sie lenkt die Aufmerksamkeit nach draußen. Misato nämlich beobachtet alles eifersüchtig durch eine Trennscheibe, und sie kommt dann schnellstens zu den beiden. Was Kaji denn noch hier täte, wo doch EVA 02 schon in Tokio angekommten sein müsste? Doch Kaji kontert, er sei "offiziell hier her" versetzt worden. Nun könnten alle wieder "miteinander rumhängen wie früher", doch Misato meint, lieber würde sie "sich aufhängen".

Da gibt es auch schon einen weiteren Notfall. Die Alarmsignale leuten. "Bluttyp: Blau" heißt es auf den Bildschirmen, folglich ist es ein Engel. Die Lage ist schwierig - die ganzen letzten Engelskämpfe haben substantiellen Schaden hinterlassen, nicht nur bei den Verteidigungsanlagen. Lediglich 26% konnten repariert werden.

Shinji und Asuka müssen wohl oder übel zusammenarbeiten, auch wenn es Asuka überhaupt nicht schmeckt, bei ihrem "ersten Einsatz auf japanischem Festland" nicht alleine kämpfen zu dürfen. Shinji stichelt gegen sie: "Befehl ist halt Befehl!", worauf Asuka in typisch bärbeißiger Art zurückmotzt, gefälligst solle er ihr nicht die Schau stehlen - zumal ein Kampf zwei gegen einen "nicht besonders fair" sei. Jedoch, funkt Misato, im wahrsten Sinn des Wortes, dazwischen, sei dies ja kein "Wettkampf", sondern die ganze Menschheit stehe auf dem Spiel!

Der Engel Israfel erscheint zunächst als Einzelform. Er ähnelt etwas Sachiel, nur dass Israfel anscheinend die Arme nach oben gerissen hat, in gleichsam kreisrundem Bogen. Sein Gesicht, das dem Sachiels ähnelt, formt ein Taiji, das daoistische "Yin-Yang-Symbiosezeichen". Shinji hat sein Evangelion-Maschinengewehr gezogen, Asuka hat ihr Evangelion-Schwert im Anschlag.

Asuka stürmt rennend auf den Engel los. Shinji möge ihr doch bitte "Deckung geben", aber "von der" lasse sich Shinji doch "nichts sagen", und er feuert seinerseits eine Salve auf den Engel los. Asuka springt Israfel geradezu an und zerschneidet ihn mit einem lauten Schrei lkrecht-mittig in zwei Hälften. Freilich kokettiert sie damit, und auch Shinji ist zunächst durchaus beeindruckt vom schnellen vermeintlichen Sieg. Jedoch regenerieren sich die beiden Hälften Israfels und werden zu Einzelwesen! Nunmehr hängen gleichsam die Arme beider Israfels nach unten, immer noch kreisrund. Und ein jeder hat ein "vollständig sachielisiertes Gesicht", allerdings dreipunktig, mit den beiden "Augen" unten und dem "Mund" oben, wie es scheint...

Der Handlungsort wechselt mehr oder weniger plötzlich ins HQ, in einen Vorführungsraum. Alle sind anwesend, außer Gendo Ikari. Gezeigt werden Aufnahmen samt boshaften Audiokommentaren der "profanen Medien". Shogoki ist in der Meerstelle, wo der Kampf stattfand, zusammengesackt und wird mit "evangelioneskem" Rettungsring emporgehievt, Nigoki steckt kopfüber irgendwo buchstäblich in der Pampa - man sieht nur die Füße - und um "sein Loch" hat man allerlei Krähne und sonstiges Utensil aufgebaut, mit dem Zweck, ihn da irgendwie herauszuarbeiten. Shinji und Asuka machen sich gegenseitig pampige Vorwürfe. Am pampigsten, wenngleich immer noch sehr effizient umkleidet in mehr oder minder zurückhaltender Höflichkeit, gibt sich aber Subkommandant Kozo Fuyuzuki. "Blamiert bis auf die Knochen" habe man sich dank der Children. Am schlimmsten sei hier der Erfolg der UNO durch ihre N2-Mine, die den Engel zumindest eine Zeit lang gestoppt zu haben scheint (bei Sachiel in Episode 01 war es noch umgekehrt gewesen). Immerhin, so Ryoji Kaji, habe man so Zeit gewonnen, dies sei "mehr als erwartet". Fuyu befiehlt nunmehr die Zusammenarbeit, vor allem die minutiöse Einübung einer Kampf-Choreographie. Kaji meint nur: "Erwachsene werden nicht gern blamiert."

Misato und Ritsuko sieht man alsbald im Schreibzimmer. Überkopfhoch türmen sich die Beschwerdeschreiben und Schadensersatzforderungen von Firmen und Privatleuten. "Besiegt die Engel - aber nicht in meinem Vorgarten!" sagt Misato sarkastisch. Und dass Kommandant Ikari sie schon längst gefeuert hätte. Da schiebt Ritsuko ihr eine Diskette rüber - jene würde die "Wer nicht tanzt, der nicht gewinnt"-Strategie beinhalten. Misato will sich schon bedanken, aber es war Kaji, der die Diskette erstellt hat - ein frivoler Gruß samt Kussmund prangt daher auf der Diskette, ähnlich wie in Episode 01 der Umschlag, den Shinji von Misato bekommen hat. Misato freut sich, wenn auch mit etwas zwanghaftem und gedämpftem, vielleicht bitter aussehendem Gesichtsausdruck...

Shinji läuft nun auf dem Nachhauseweg die sengend heiße Straße entlang. Diese scheint leer von Menschen und Fahrzeugen - bis auf einen DHU-Transporter, der entgegengesetzt fährt.

Schnitt in Misatos Wohnung: Ob jemand zuhause sei, auch wenn niemand antworten würde, so ruft Shinji eher unmotiviert. Jedoch, als für ihn doppelte Überraschung, antwortet jemand: Asuka das 2nd Children! Sie hat nicht nur Shinjis (nunmehr Ex-)Zimmer, sondern de facto die gesamte Wohnung beschlagnahmt – alles ist voller DHU-Kartonagen. Shinji hatte also genau diesen Lieferwagen vorbeifahren sehen. Was Asuka hier zu suchen habe, so Shinji - was vielmehr Shinji hier noch zu suchen habe, so Asuka, er sei doch vom "Nachfolgemodell" ersetzt worden. Und das alles seien nur die "persönlichen Sachen". Warum überhaupt die Zimmer so klein seien in Japan, mit Papierschiebetüren ohne Schloss und „hellhörigen“ dünnen Wänden, ohne echte Möglichkeit sich abzugrenzen, so lamentiert sie theatralisch. "Sinn für Privatsphäre scheint ihr überhaupt nicht zu haben!" Doch da erscheint schon Misato auf der Bildfläche: "Bei uns kommt das Gemeinwohl eben vor dem Individuum!" Und das erschrockene "Misato!?", gleichzeitig von beiden ausgerufen, sei schon ein guter Anfang gewesen - denn "Ihr macht in Zukunft alles zusammen!"

Da es Shinji und Asuka zu diesem Zweck auch erlaubt ist, länger der Schule fernzubleiben, macht sich der Rest vom Baka Trio auf den Weg zu Misato's Wohung, um nachzusehen, wie es Shinji und Asuka geht. Aus dem Fahrstuhl aussteigend treffen sie auf Hikari Horaki, die sich ebenfalls interessiert. "Hallo Dumm und dümmer!" ist ihr Gruß an die Jungs, die sich mit "Hallo Frau Oberwichtig!" revanchieren. Man begibt sich also zu Misatos Wohnungstüre. Shinji und Asuka stehen im "Partnerlook" an der Tür, und es ist nicht gerade angenehm für die Beiden, dass ihre Mitklässler das zu sehen bekommen. In der Wohnung bekommt sie dann zu sehen, wie das "Tanzpaar" versucht, einen synchronen symmetrischen Tanzschritt hinzubekommen. Es klappt freilich nicht, und Asuka fährt aus der Haut, wütend über den "Grobmotoriker" Shinji. Misato lässt Rei daraufhin mit Shinji zusamment vorturnen - es klappt auf Anhieb. Nun ist Asuka nicht nur zornig, sondern seelisch angeschlagen: "Ihr könnt mich alle mal!" - und schon ist sie weinend aus der Schiebetüre, die sie mit solcher Wucht zugeschoben hat, dass sie wieder zurückfedert. Mit einem gellenden "IIIKAARIII KUUUN!!!" befiehlt Hikari Shinji, er möge sich gefälligst entschuldigen, immerhin sei er Schuld, dass Asuka nun heule.

Shinji findet Asuka in einem Discounter, vor einem Getränkekühlschrank. Asuka gibt lapidar zur verstehen, dass sie nichts hören wolle. Erst draußen - es ist bereits Abenddämmerung - gibt Asuka Shinji zu verstehen, dass sie es nun doch durchziehen wolle: Misato und vor allem Rei "haben mich gedemütigt, meinen Stolz verletzt; ich sorge dafür, dass sie sich bei mir entschuldigen müssen!" macht Asuka klar. Tatsächlich bringt Shinji dies eine leichtes Lächeln aufs Gesicht.

Shinji und Asuka machen nunmehr die nächsten Tage alles - und das heißt: Alles! - zusammen. Freilich das Tanzen auf der Matte, aber auch das Zähneputzen, das Fernsehen (wobei sie mit ihren Fernbedienungen um den Sender "kämpfen"), das Musikhören, das Nudelessen (Asuka braucht hier noch die "westlichen Gabel" anstelle der "östlichen Stäbchen"); sogar den Toilettengang (wobei PenPen sich vordrängelt, wie er überhaupt öfters mitmacht...). Auch schlafen sie im selben Zimmer.

Irgendwann hat Misato Nachtschicht. Asuka freut sich über Sturmfrei und immitiert dabei Misatos Victory-Pose. Jedoch, was Shinji, der gerade auf seiner Bodenmatratze musikhört und liest, etwas irritiert: Sie auch ihr Schlafzeug aus dem Zimmer und wirft es mitten auf den Flur, dort zu nächtigen.

"Die Schiebetür ist die Mauer von Jericho! Wenn du einen Fuß über die Schwelle setzt, bist du tot!" macht Asuka Shinji mit ihrem berühmten Ausspruch klar; überhaupt sei es für ihn längst "Schlafenszeit". Im Selbstgespräch meckert sie, warum man ihn Japan "auf dem Boden schläft. So was Dämliches!". Nichts desto weniger wartet sie, bis Shinji eingeschlafen ist und legt sich dann neben ihn. Draußen spiegelt sich derweil der zunehmende Halbmond in einer Gebäudefassade. Shinji bemerkt freilich die neben ihm liegende Asuka - er hat sich nämlich nur schlafend gestellt als sie mal reingelukt hat. Offenherzig ist sie ihm mit geschlossenen Augen zugewandt. Er probiert, Asuka zu küssen. Allerdings flüstert sie "MAMA!" und weint dabei – immer noch im Schlafe. Shinji legt sich dadurch abseits hin, wenn auch immer noch im selben Zimmer und sagt: "Du bist doch selber noch ein kleines Kind." Danach zieht er sich die Decke über den Kopf.

Kaji und Misato sind derweil auch 'zugange'. Fest hat er in NERVs Fahrstuhl ihre Handgelenke gepackt und küsst sie. Inwieweit Misato dies freiwillig zulässt ist äußerst fraglich, kuckt sie doch auf die Stockwerksanzeige, wann der Fahrstuhl endlich da sei. Misato schwankt rückwärts hinaus. Draußen sagt sie: "Hör zu: Das zwischen uns ist vorbei. Mach sowas nie wieder, klar!" "Auf einmal sagen deine Lippen nein, wo sie eben noch ja gesagt haben. Was soll ich jetzt glauben?" erwidert Kaji, derweil er Misatos Papiere vom Boden aufliest. Kaji verneigt sich, der Aufzug schließt sich. Misato hält kurz inne, dann packt sie aber die Wut und sie schmeißt lautstark ihre Dokumente gegen die zuhene Faurstuhltüre.

Am Abend sitzt sie mit Ritsuko im Cafè; es befindet sich in den Tiefen Neo Tokio 3s. Man sieht entsprechend das "Kopfüber-Panorama" in blassdunkelblauem Licht durch die Glasfassade. Ritsuko zieht Misato ein wenig auf, ob denn immer noch Liebe bestehe, woraufhin Misato ihren Kaffee verschluckt. "Den kannst du geschenkt haben!" giftet sie. Denn Kaji werde wohl nie erwachsen.

Es folgt der große Tag. Der Engel hat sich regeneriert - und zunächst wieder vereint - und stapft so durch die Landschaft, umzingelt von lauernden, doch passiv bleibenden Helikoptern. Kameraschalte ins HQ, die gesamte Offiziersriege angespannt vor den Schirmen. "Direktübertragung vom zweiten Beobachtungsposten" heißt es dort. "Diesmal empfangen wir ihn gebührend!" macht Misato den Beteiligten und sich selber Mut.

Shogoki und Nigoki, mitsamt den Piloten, stehen bereit. Keine Fehler kann man sich diesmal erlauben, denn vor allem stehen lediglich 62 Sekunden zur Verfügung! Und das Umbilikalkabel kann freilich nicht stecken bleiben. "Das Zielobjekt passiert das Gebirge!" Dann werden die Evangelion-Einheiten nach oben geschossen - der berühmte schostakowitsch-hafte Walzer spielt auf.

Das diffizile und eilige Training macht sich nun bezahlt; sämtliche Moves werden geradezu balletthaft-synchron zum Besten gegeben: Mit Waffen, ohne Waffen, Rollen, Kicks, selbst fliegende Sprünge - alles stimmt perfekt; auch die UNO feuert ihre Salven genau passend ab - und so geht der Engel, genauer seine S2, letztlich in die Luft, innerhalb der nötigen 62 Sekunden.

Die Evas liegen nun in einem Sprengkrater, ineinandergeknotet. "Gleich geht es los!" stöhnt Misato und macht einen Facepalm. Tatsächlich klingelt Asuka den bereits ausgestiegenen Shinji über ein eva-integriertes Außentelefon an: Was ihm den einfalle, ob er nicht besser aufpassen könne? "Zu wenig Schlaf" sei eine Ausrede, warum er überhaupt es gewagt habe, sie zu küssen; warum sie es auf der anderen Seite gewagt habe, sich nur schlafend zu stellen; aber es sei gar nicht zum Küssen gekommen, weil sie nach ihrer Mama geflüstert habe...

Die Nervcrew lacht, wird doch der Disput unzensiert in die Zentrale übertragen. Allein Misato und vor allem Fuyu sind nicht erfreut. "Warum müssen die uns immer so blamieren?" lamentiert er zum Episodenabschluss.

Analyse[Bearbeiten]

Achtung, Theorie! Theorie

Der folgende Abschnitt beschreibt umstrittene oder nicht abschließend geklärte Sachverhalte und gibt die Meinung des/der Autoren wieder.


Die bei NGE übliche und z. T. krasse Diskrepanz zwischen vordergründig Sichtbarem und hintergründig Gemeintem tritt auch in der hiesigen Episode eindrucksvoll zu Tage:

  • Einerseits zeigen sich die Mitschülerinnen erfreut über die neue Fremde, "hintenrum" rümpfen sie aber die Nase über die westliche Ausländerin, vor allem weil sich die Jungs über die "exotische Schöne" höchst ergötzen
  • Hier ist es Kensuke, der Grenzverletzung begeht: Er verteilt (in)diskret und unerlaubt Fotos von Asuka (gegen Geld)! Konnte sie sich in Episode 08 noch per Maulschelle gegen Toji behaupten bzw. verbal gegen die anderen, so bleibt ihr hier nurmehr übrig, sich das "Hintenrumlästern" der Mädchen und den doch sehr offenen Handel mit ihren Fotos als "Beliebtheit an der Schule" vorzulügen - was soll sie auch sonst machen: Kensuke, so könnte man überspitzt sagen, hat, im Gegensatz zu Toji davor, die ganze Schule de facto hinter sich und gegen Asuka.
  • Dass Shinji sich "gefälligst zu freuen" hat, ist wieder typisch für Asukas Symptomatik: Es genügt einem Betroffenen häufig, wenn der Gegenüber den gewünschten (vermeintlich Zuwendung versprechenden) Affekt vortäuscht und -spielt. Nicht selten wird gar, wie hier, ausdrücklich gesagt, es solle so verrichtet werden. Freilich ist solch eine "Zuwendung" keine echte, aber immer noch besser als überhaupt keine Zuwendung oder gar Ablehnung - vermeintlich.
  • Rei's Blick ins naturwissenschaftliche Buch dient wohl weniger der Schulstoffvertiefung oder einem "Kennenlernen der Lilimkultur", sondern wohl eher der sozialphobischen Kontaktvermeidung. Man kann sich ja nicht dem anderen zuwenden, man "muss" ja grad "lernen".
  • Asukas Freundschaftsangebot ist hier noch nicht ernst gemeint; sie will sich - das sieht man an ihrem "Blumenkübelpodest" - eher wichtig machen, und sind "Bewunderer" gerade recht. Anders wird die Sache freilich aussehen bei Hikari Horaki, zu der sie ein sehr tiefes Verhältnis entwickeln wird - so tief, dass sie bei ihr nach Araels Attacke Zuflucht suchen und finden wird; wie bei einer Ersatzmutter!
  • Ritsuko hat abgenommen. Dieses Statement von Kaji erscheint glaubhaft. Die Frage ist, inwieweit dies "temporäre Schwankungen" bei ihr sind - ist doch die Zeit der Engelsangriffe durchaus arbeitsintensiv und daher stressig, oder inwieweit dies tatsächlich wiederum mit der Vergangenheit zu tun hat. Ritsuko wuchs, dem Anschein nach, bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die ihrerseits wohl heftige Probleme hatte, eine dauerhafte Bindung einzugehen - zu (Ehe-)Männern, zu ihrem Kinde, zu sämltlichen Zwischenmenschlichkeiten. Solche ins Posttraumatische hineinreichenden Erlebnisse können Essströrungen hervorrufen, die entweder zuviel Essen bedeuten (wird sich hernach übergeben, z.T. auch absichtlich, heißt dies "Binge Eating"), oder eben zuwenig - und solche Dinge werden dann mitunter angetriggert durch Stress (Alltag, Arbeit), der ansich gar nichts mit dem Trauma zu tun haben brauchen. Es baut sich, fachsprachlich, eine Gefühlsbrücke zum Trauma-Introjekt (="Innenbild") auf - und starke Gefühle beeinflussen auch die Essfähigkeit...
  • Welches Sexualverhalten hatten die drei zu Studizeiten - angesichts der Tatsache, dass Kaji auch mit Ritsuko anfängt zu "schmusen" und Misato darob erbost ist?
  • Es scheint Kajis normales Verhalten gegenüber jungen und/oder altbekannten Damen zu sein, sich Liebkosungen zu erzwingen. Auch bei Maya Ibuki gibt es bald eine Szene. Jedoch bei Asuka, die wohl gerne umarmt würde von ihm, zeigt er sich weniger diesbezüglich geneigt.
  • Wenn Asuka sich selber als "Nachfolgemodell" tituliert, dann degradiert sie sich de facto zum toten Nutzgegenstand. Dies passt durchaus zu ihrem Charakter, ihrer Rollen und sowieso in die Thematik NGEs - Aus-nutzen und Aus-genutztwerden.
  • Mit ihrem sowohl akustisch als auch psychologisch durchdringenden "Ikari kun!" macht Hikari Shinji für etwas verantwortlich, das er gar nicht wirklich selber ausgelöst hat - immerhin war es Misato, die angeordnet hat, Shinji und Rei mögen zusammen proben! Aber: Misato steht hierarchisch höher, Shinji aber niedriger - immerhin bekleidet Hikari das in Japan bedeutsame Amt des Klassensprechers! - und es zeigt sich wie so oft: 1) Man tadelt oft nur diejenigen, gegenüber denen man dazu in der Position ist (ungeachtet dessen, ob sie überhaupt Auslöser sind!); und 2) die öffentliche Hierarchie wirkt immer wieder in die privaten Gefilde hinein - und beides sind beileibe keine alleinigen japanisch-ostasiatischen Phänomene...

[...]


Bewertung[Bearbeiten]

Achtung, Interpretation! Interpretation

Der folgende Abschnitt beschreibt nicht allgemein anerkannte Interpretationen und gibt die Meinung des/der Autoren wieder.


Die Bezugnahmen auf unsere Welt sind in dieser Episode wieder besonders eindrucksvoll und z.T. auch erschreckend:

  • Das Verbreiten von Bildern oder überhaupt Daten, ohne (wissentliche) Erlaubnis der betroffenen Person(en), hat durch das Internet während der "Nullerjahre" - ein Jahrzehnt nach NGEs Premiere - verhängnisvolle Ausmaße angenommen, bis hin zu ganzen Industriezweigen. Kensukes Machenschaft ist also zur Vorhersage geworden, die sich auf erschreckende Art bewahrheitet hat! (Aber auch schon lange vor jedweder technischen Revolution konnte die mundpropagandistische Gerüchteküche zerstörerische Wirkungen entfalten, sei es irrtümlich, sei es bewusst intrigant...)
  • Das Einbinden von Regie-Elementen direkt in die Handlung - ohne parodistische Hintergedanken - ist typisch für die von NGE eingeleitete Stilepoche. Beispielhaft sind die Standbilder am Anfang, die man zunächst als einen puren Regiekniff empfindet, bevor offenbart wird, dass dieses tatsächlich richtige Bilder sind: Geschossen von einer Figur in der Handlung und als Element dieser Handlung fundamental wichtig. (Zunehmend wird dieses Vorgehen als "Dekonstruktion" tituliert.)
  • Dieser Bilderraub wird in "Die Melancholie der Haruhi Suzumiya" (2006+) übernommen und in der dortigen Ep2 noch verschärft: Haruhi hat ihren eigenen Club gegründet - die SOS-Brigade - und will sich nun mit Computern samt Internet ausstatten. Der Computerclub der Schule möge ihr das verrichten. Da Haruhi zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Rücksicht auf andere nimmt (Haruhis Flamme Kyon meint auch gewohnt sarkastisch, ob sie für die Notebooks denn im Elektronikladen einbrechen wolle), schleppt sie Mikuru Asuahina zum dortigen Clubraum und inszeniert eine sexuelle Belästigung an Mikuru seitens des Computerclubvorsitzenden. Sie nimmt seine Hand und führt sie zu Asahinas Brust. Der Clubvorsitzende blickt schockiert, macht aber sonst keine Anstalten, dies zu unterbinden, wie alle anderen auch, einschließlich des ebenso mitgeschleppten Kyon. Dies fotografiert sie ab. Die Epressungsgrundlage ist perfekt - und der Club stattet Haruhi aus und verkabelt sogar den ganzen Flur vor ihrem Clubraum. Hier hat die Medaille sogar drei (!) Seiten: 1) Haruhi inszeniert und erpresst; 2) die männlichen Schüler aber sind von vornherein erpressbar, weil sie, wie es scheint, "hintenherum" gewisse Kommentare über die "kindisch-weinerliche" aber dennoch oder gerade deshalb "zuckersüße" Mikuru ("Sie ist einfach Zucker!", wie bei Asuka) abgegeben haben, Kyon wohl eingeschlossen (sein "Gefallen" an Asahina ist ein Running Gag in "Haruhi"), und Haruhi "nur" deren insgeheime Phantasien "verwirklicht" hat; 3) Haruhi hat aber, wie es aussieht, ganz bewusst und absichtlich ihr Universum, ihr "Puppentheater", so erschaffen, dass solche Dinge darin machbar sind...
  • Rei's Lesebuchszene hat anime-historisch gewichtige Wirkung erlangt: In "Die Melancholie der Haruhi Suzumiya" (2006ff) - ein Anime (urspr. Light Novel), der seinerseits schnell "evangelioneske" Bedeutung erlangt hat - kommt Yuki Nagato vor, die Rei Ayanami nicht nur in Aussehen und Verhalten (vermeintlich) ähnelt, sondern auch häufig in Haruhis Clubraum anzutreffen ist - sitzend und lesend in einem Buch.
  • Das orgiastisch-psychotische Klangbild des Tanzwalzers ähnelt sehr stark mancher Schaffensweise von Dmitri Schostakowitsch (1905-75 in Sowjet-Russland). Dieser Muskikkomponist hatte zeitlebens zu kämpfen nicht nur mit Weltkriegen und deren unmittelbaren persönlichen Folgen, z.B. die Belagerung und Drangsalierung von Leningrad (nach Zusammenbruch der UdSSR wieder in St. Petersburg zurückbenannt) durch Nazideutschland, sondern auch mit Schikanen und Repressalien seitens Stalins und dessen Handlangern und Schergen, was sich erst mit dessen Ableben (1953) bessern sollte. Angst und Zorn, die sich in dieser Zeit ansammelten, kanalisierte Schostakowitsch in seine Musik. Besonders in der 7. Symphonie ("Leningrader") lässt Schostakowitsch den Kriegswahn durchdringen, aber auch andernwerks ist das damalige von Kriegsmaschinerie und diktatorischer Drangsalierung durchdrungene Lebensgefühl spür- und hörbar. Der schon legendäre "Both of you: Dance like you want to win!"-Walzer ist stilistisch unüberhörbar an Schostakowitsch angelehnt (Tom-und-Jerry-hafter Klavierprolog, sodann mit Orchesteraufschwung, worin gut versteckt und dennoch unüberhörbar eine Harfe miteingeflochten ist: Schostakowitsch hat seine Hörer gern "gefoppt" und in die Irre geleitet, und war ein hervorragender (ungestümer) Pianist; nebst ungestümen Paukenschlägen; nebst in spieltechnisch schwierigen Höhen "gerotzten" Hörnern, und nebst Dur-Moll-Durchmischungen). Dies kann kaum als Zufall gelten, befindet sich seit dem Second Impact die "NGE-Welt" doch durchaus in einem mehr als nur kriegsähnlichen Zustand - derweil die Bewohner von Neo Tokio 3, allen voran NERV-Crew und Children, die Kriegshandlungen unmittelbarst ertragen müssen. (Immerhin sind nur 26% der Anlagen zu Beginn des hiesigen Kampfes wiederinstandgesetzt, und die Bevölkerung beschwert sich über die Verwüstung; zuvor war ja schon Toji's Schwester im Krankenhaus gelandet...)
  • "Die Melancholie der Haruhi Suzumiya" macht von Schostakowitsch auch unmittelbaren Gebrauch. In Folge 27 wird ein virtueller Space Battle zwischen Haruhis Club und dem Computerclub ausgetragen - zu den Klängen von Schostakowitschs genannter 7. Symphonie.
  • Solche musikalische Unterstützung ist im Film nicht neu, im Gegenteil: Durch musikalische Stimmungserzeugung wird seit Beginn des Tonfilms (1920er) demonstriert, wie eine Szene zu verstehen ist (auch und gerade mit bewusster Irreführung); auch Erinnerungsmelodien spielen seither eine fundamentale Rolle ("Leitmotive"). (All dies gibt es in Oper und Operette schon jahrhundertelang.) Auch der Anime macht seit seiner Existenz regen und effizienten Gebrauch davon, und dies hat sich in der "Post-Evangelion-Generation" noch intensiviert. (Mononoke, X1999, Saya no Uta, Elfen Lied, Noir, Hellgirl, Haruhi, Puella Magi u.m.a. machen schwerwiegenden stimmungserzeugenden und vor allem leitmotivischen Gebrauch von ihren Musikstücken.)
  • Das Anerziehen und Anerzogenbekommen von Verhaltensweisen, die dem Mitmenschen Zuwendung vorgaukeln, ist in allen menschlichen Kulturen und Zivilisationen Gang und Gäbe seit Altersher. Die Tatsache, dass ein Mensch oft nicht in der Lage oder bereit ist, sich ehrlich dem Mitmenschen zuzuwenden, wird überdeckt dadurch, dass einfach ein Schauspiel anerzogen wird. Jeder Beteiligte weiß zwar, dass zwischen Höflichkeit und Ehrlichkeit so die Diskrepanz erst recht groß wird, aber alle nehmen es in Kauf: Gespielter Friede vor ehrlichem Streit! Quasi eine Art Mini-Instrumentality. (Das Verlorengegangensein ursprünglicher Einheit, die daraus entstandene Vielheit mit der Notwendigkeit der gegenseitigen Rücksicht, und sei es in Form von gepielter Liebenswürdigkeit, ist Thema in der ostasiatischen Philosophie seit fast ihrem Anbeginn. Je nach philospohischer Schule - es gibt derer unzählige - wird die plurale Kulturalität entweder eher bejaht und bestärkt, oder aber die ursprüngliche Einheit zurückgesehnt. NGE, besonders in Form von EoE, nimmt all dies nun wortwörtlich - und zeigt auf (mit maximalen filmischen Mitteln), dass eine endgültige Entscheidung überhaupt nicht möglich ist.)
  • Ritsukos anscheinende Essstörung, ja, sämtliche Introjektion ("Innenbildeinprägung"), lässt sich mit dem Pawlow'schen Hund erklären: Man nehme einen Hund, man zeige ihm einen vollen Fressnapf. Der Hund wird, seiner Natur gemäß, Speichel produzieren ob des "leckeren Essens". Man lasse zugleich eine Glocke erklingen. Man wiederhole dies. Beide ursprünglich unabhängigen Phänomene werden sich im Geiste des Hundes verbinden: Bald wird der Speichel fließen allein beim Klang der Glocke, ohne Fressnapf. Das Introjekt ist eingebrannt, die Gefühlsbrücke "begehbar". Fatal wird es freilich, wenn, aufgrund z.B. von Kriegserlebnissen, solche "Querverbindungen" von Innenbildern und ihren Gefühlen in den Alltag reichen: Lauter Knall im Straßenverkehr = Erinnerung an Bombenhagel, mit allen diesbezüglichen Angstschüben.
  • Sich selber als "Nachfolgemodell" udgl. zu benennen und sich damit zum (Aus-)Nutzgegenstand herunterzustufen ist eine vielzubeobachtende Manier im zwischenmenschlichen Alltag. Mag dies äußerlich als Spaß gemeint sein - in Wahrheit hat man es gelernt und ist es gewohnt, zu funktionieren - im wahrsten Sinn des Wortes. Reibungslosigkeit des einzelnen Zahnrads zum Zweck der Reibungslosigkeit des Gesellschaftsgetriebes.
  • Die japanische Sittenvorschrift, das Kollektiv habe vor dem Einzelsubjekt zu stehen, wird in Kontrast gesetzt zum vermeintlichen "Teuto-Individualismus" - und dabei sitzen Asuka und Shinji imselben Boot! Es wird also suggeriert, dass Gemeinwohl und Individualerfüllung nur als zwei Seiten derselben Medaille funktionieren können; und es wird demonstriert, das dies, wie vieles andere auch, schnell ausgenutzt wird.
  • Japans reguläre Wohnungen sind viel kleiner als jene in Deutschland und dem Westen - so heißt es zumindest. Man kann im Landesinneren kaum leben, gebirgigster Urwald herrscht dort - und so hat sich seit jeher alles meistens in die Küstenregion situiert. (Im Falle von Fukushima ein zweischneidiges Schwert: Man hatte Kühlwasser direkt vor der Türe - ebenso wie Tsunamis...). Während der Stoßzeiten kann Tokio durchaus die 30 Mio.-Marke sprengen, was 1/4 der japanischen Bevölkerung bedeutet (und mehr als das doppelte, das die DDR am Ende hatte!), und da dieses Phänomen jahrhunderteweit zurückreicht, verwundert es kaum, dass man um eine möglichst effiziente - sprich enggepresste - Nutzung des vorhandene Raums bemüht war und ist.
    Und daher kommt die teils bis ins zwischenmenschlich Brutale hineinreichende Etikette!
    Auf so engem Raume bedarf es nämlich erstens der verlässlichen Mitarbeit des Einzelsubjekts im Alltag und zweitens des gesitteten - also möglichst zurückhaltenden und leisen - Benehmen "zwischen den Wänden", denn die sind seit jeher oft aus (Bambus-)Holz und Papier gewesen.
    (Yuki Nagato ("Melancholie der Haruhi") und Mami Tomoe ("Puella Magi", um zwei "Evangelion-Direktnachfolger" zu nennen) haben vergleichsweise luxuriöse Wohnungen, gerade erst als Alleinbewohner. Dies hat dann aber auch sehr spezielle Gründe innerhalb der Story...)
    Allerdings muss dazu gesagt werden: Auch in Deutschland gibt es Plattenbauwohnungen, die in jeder Hinsicht spärlich und eng sind, und in den USA - ein weiterer bedeutender Ort in Asukas Vergangenheit - leben viele Bürger notgedrungen in Wohnwägen! Dort sind auch Fließwasser und Elektrifikation, und gerade auch Gesundheit und Soziales, wie in vielen Ländern (nicht nur) der westlichen Hemisphäre, vielerorts bedrohlich lückenhaft. Auch ein Gang zur Universität - und sei es ein durch Stipendium subventioniertes und in Asukas Fall zusätzlich verfrühtes - ist für viele Menschen jenseits aller Vorstellung.
    (Länder mit einigermaßen funktionierender Versorgung sind global gesehen die absolute Ausnahme!!)
    Aus alldem - und aus den vielen Habseligkeiten Asukas - muss nun geschlussfolgert werden, dass Vater Langley und seine jetzige Frau äußerst wohlhabend sein müssen, und dass Asuka es nicht sieht und sehen will, dass es in erster Linie daran liegt, dass sie ihr Leben lang großräumige Propertäten gewohnt war.
    Wenn man sich nun Asukas Charakter und ihre Ängste vor Augen hält, wird klar: Sie hat schlicht Angst vor Armut, denn Armut bedeutet in ihren Augen Schwäche und Schwäche bedeutet Hilflosigkeit! Und sie hat Angst vor zuviel mitmenschlicher Nähe - bei gleichzeitiger Angst vorm Alleinsein. (Daher wartet sie auch, bis Shinji schläft, und legt sich dann doch zu ihm, wo sie ihn vorher noch angerüffelt hat. Beim wachen Mitmenschen überwiegt die Angst vor Zwischenmenschlichkeit - und beim Schlafenden die Angst vorm Alleinsein...)
  • Dass Asuka und Shinji indes auf dem Boden in einer Art Schlafsack nächtigen müssen, hat keinen "typisch japanischen" Grund - es gibt genügend Japaner, die durchaus ein "westliches Hochbettgestell" benützen (ebenso, wie sie auch Stühle oft hernehmen anstatt des Kniesitzes, des Seiza; so gibt es auch in Manga und Anime mal das eine, mal das andere). Der Grund muss wohl eher darin gefunden werden, dass Misato es schlicht nicht hinbekommen hat, vollwertige Betten - und seien es "japanische" - zu besorgen; genauso wie sie es ohne Shinji nicht hinbekommt, ihre Wohnung sauber zu halten...
  • Shinji lästert über Asuka, dass sie immer noch an ihrer Mutter hänge und noch gar nicht erwachsen sei - dabei ist er selber in der gleichen Situation und ebensowenig drüberhinweg, also "nicht erwachsen", wie er es definiert. Über die Probleme anderer herzuziehen und zu schelten, gerade dann wenn man selber genau die gleichen Probleme hat, weil man sich von sich selber ablenken will - Shinjis Herabschätzung ist eine Art "Kompensatorischer Seitenwechsel", etwas, dass man eigentlich bei Asuka und ihrer Problematik veranschlagen würde. Ergo: Shinji ist Asukas Spiegel und umgekehrt! Und da man Rei noch mithinein nehmen muss, haben wir eine Art "Dreiecksspiegelbeziehung": Jeder ist dem anderen und den anderen ein komplementärer Spiegel - eine Medaille gleichsam mit drei Seiten!
    Und dies haben wir auf allen Ebenen: Misato, Kaji, Ritsuko; Toji, Kensuke, Hikari; Maya, Makoto, Shigeru; Gendo, Kohzo, Kiel, auch die buchstäblichen Übermütter Yui, Kyoko, Naoko - und sogar die Organisationen NERV/GEHIRN, SEELE, UNO! Und dies wird zu einem regelrechten Gitter: Misato und Shinji bzw. Makoto (beides ihre "Putzmänner"!), Gendo und Rei bzw. Ritsuko samt Mutter (alles seine Ersatzfrauen!), Ritsuko und Maya (EoE zeigt: Mindestens geschwisterlich!), Asuka, und Kaji (Ersatzvater!), Kiel vs. Ritsuko (ein typisches "Disziplinierungsritual"; man bedenke dabei: Yui Ikari ist bei SEELE großgeworden...), Asuka und Hikari (Ersatzmutter, wohl auch für Toji!), schließlich das "Baka Hentai Idiotentrio" Shinji, Toji und Kensuke.
  • "DHU" - Asukas Zustelldienst - ist eine offensichtliche Verballhornung von "DHL". Dieses eigentlich US-amerikanische Unternehmen gehört erst seit 2002 vollends zur Deutschen Post AG, die sich seit 1998 an der Firma begann zu beteiligen. Ursprünglich wurde es 1969 gegründet von Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn als Expressdienst für Briefe und Pakete innerhalb der USA und dann auch internation. Vor der Übernahme benutzte man tatsächlich rote Kapitalen auf weißem Untergrund (dieser heute Gelb).
    (Dass Asukas Zustelldienst nach NGE tatsächlich deutsch wurde, muss wohl als Zufall und Trivia gelten.)

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„Neon Genesis Evangelion“-Episoden
01: Angriff der Engel | 02: Das Ungeheuer | 03: Ein neuer Schüler | 04: Das Stachelschwein-Dilemma | 05: Rei I
06: Rei II | 07: Menschenwerk | 08: Asuka schlägt zu! | 09: Wer nicht tanzt der nicht gewinnt | 10: Magmataucher
11: Der Tag, als Tokio-3 still stand | 12: Der Preis eines Wunders | 13: Der Engel im System | 14: SEELE: Thron der Seelen
15: Lüge und Verschweigen | 16: Zwischen Leben und Tod | 17: Fourth CHILD | 18: Im Zwiespalt | 19: Introjektion
20: Essenz der Seele | 21: Die Geburt von NERV | 22: Psycho-Attacke | 23: Rei III - Tränen
24: Anfang und Ende - Der Letzte Botschafter | 25: Liebst du mich? | 26: Sei gut zu dir selbst
End of Evangelion
25: Air | 26: My Purest Heart for You